Zeche Christian Levin in Essen-Dellwig

Zeche Christian Levin: Die bekannte Bergbaukneipe in Essen-Dellwig
Zeche Christian Levin: Die bekannte Bergbaukneipe in Essen-Dellwig

Von Ernst Käbisch

Zuletzt gehörte die Zeche Christian Levin bis zu ihrer Stilllegung 1960 zum Bergbaubereich des Kruppkonzerns. Nicht nur Steinkohle wurde im nördlichen Essener Bezirk Dellwig in 2 Schachtanlagen der Zeche gefördert, sondern auch Blei und etwas Kupfer. Zechenrelikte sehe ich ausser der bekannten Eckkneipe „Zeche Levin“ eigentlich nicht. Dennoch erinnert Vieles in Dellwig noch an den Bergbau.

Noch in der S-Bahn nach Essen entscheide ich mich anders. Es regnet ja gerade nicht. Und ich mag plötzlich doch nicht mehr heute nach Dortmund zur Dasa fahren, nur um zu wissen, ob so ein halber Tag für eine so weite Tour und einen sicher interessanten Ausstellungsbesuch reicht. Ich habe heute einfach mehr Lust auf Zeche. Und da fahre ich ab dem Essener Hauptbahnhof mit der S9 Richtung Bottrop bis zur Station Essen-Gerschede mit. Und nun gehe ich ein Stück die Donnerstraße entlang und dann rechts in die Straße Kraienbruch bis nach Essen-Dellwig hinein.

Zeche Christian Levin gehörte zu Krupp

In Essen-Dellwig war die Zeche Christian Levin, die zuletzt zum Bergbaubereich vom Kruppkonzern gehörte. Auch Dellwig ist ein Bezirk im als Problemviertel bezeichneten Essener Norden. Aber wie bei der Zeche Mathias Stinnes in Essen-Karnap habe ich auch hier ganz und gar nicht den Eindruck von einem sozialen Brennpunktviertel. Die Straßen sind lebhaft bevölkert. Und die Bausubstanz der Wohnhäuser ist sehr ansprechend. Auch hier sind viele Straßenzüge voller Gründerzeithäuser. Auch hier sind an vielen Stellen noch Erinnerungen an den Bergbau wie Stucksegmente von Bergleuten auf Häusern oder Bergbaudenkmäler. Der Steinkohlebergbau bzw. der bei Zeche Christian Levin auch betriebene Erzbergbau hatte offenbar  auch in Dellwig den Menschen Wohlstand gebracht.

An der St.Michaelskirche steht eine gewaltige Seilscheibe von Schacht Marie der Krupp-Zeche Helene Amalie neben einem Kriegsgefallenendenkmal mit großem Kreuz und neben einer Lore. Ich finde das sehr aussagekräftig, welchen Stellenwert der längst auch hier beendete Bergbau immer noch für die Menschen hat. Eine gerade stark frequentierte Bäckerei im Bezirk ist in einem dieser schönen Gründerzeithäuser. Das Haus ist mit Stuck von Bergbaumotiven verziert. Über der Eingangstür zum Verkaufsraum ist das in Stein gemeißelte Bergbausymbol Schlägel und Eisen. Und zu beiden Seiten davon sind auch in Stein gemeißelt Bergmänner mit ihrem typischen Werkzeug abgebildet.

Einziges Relikt der Zeche Christian Levin ist die Eckkneipe

Ein Stück die Straße Kraienbruch weiter hinein kreuzt diese die Levinstraße und hier sehe ich schon links dieses interessante fast wie ein Schloss wirkende Haus mit Türmchen, wo die einstige Bergmannskneipe Zeche Levin drin ist. Das ist ein ganz bekanntes Essener Fotomotiv. Die Gaststätte hat jetzt morgens an einem Wochentag noch nicht geöffnet. Sie sieht aber auch innen recht interessant aus mit den vielen Erinnerungsgegenständen an den Bergbau wie dem Gezähe der Bergleute, dem Werkzeug wie Schlägel und Eisen…

Vis a vis der Kneipe soll ein Malakowturm gestanden haben und daran anschließend war das eine von 2 Schachtgeländen der Zeche Christian Levin. In sonst ja hier flacher Gegend fallen mir eine Menge begrünter Hügel auf dem längst zum Park  gewordenen vermutlichen ehemaligen Schachtgelände auf. Im zentralen Ruhrgebiet liegen die Flöze schon tief. Die Zechen waren keine Stollenzechen, sondern es mussten Tiefbauschächte abgeteuft werden. Ich vermute also, dass diese schon mit hohen Bäumen bewachsenen Hügel im Park Halden sind. Durch diesen Park hindurch komme ich zum ehemaligen Zechenhafen der Zeche Christian Levin am Rhein-Herne-Kanal, der im 20ten Jahrhundert die Ruhr als Transportweg der Kohle ablöste.

Erst auf der Rückfahrt in der Straßenbahn 103 öffnet der Himmel mal wieder alle Schleusen. Da habe ich aber Glück gehabt. Durch den Bezirk Altendorf fährt die Bahn zum Hauptbahnhof. Hier habe ich schon eher das Gefühl von einem sozialem Brennpunkt, obwohl auch in diesem Bezirk Altendorf, wo die Krupps ursprünglich ansäßig waren, Bergbau betrieben wurde und der Beginn der Kruppschen Gußstahlfabrik war.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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