Zeche Deutscher Kaiser und die Mauer von Bruckhausen

Zeche Deutscher Kaiser und die Mauer von Bruckhausen
Angenehmer Konstrast auf dem Zechengelaende zur Mauer von Bruckhausen.
von Ernst Käbisch

Also die ehemalige Zeche Friedrich Thyssen in Duisburg hieß vorher Zeche Deutscher Kaiser. Dann ist an der Kaiser-Wilhelm-Straße in Duisburg Bruckhausen gegenüber der ThyssenKrupp-Hütte jetzt eine der Berliner Mauer nicht unähnliche Mauer aufgebaut worden. Und Straßenzüge voller Gründerzeithäuser in Bruckhausen wurden für den geplanten Grüngürtel Duisburg-Nord abgerissen.

Duisburg erscheint mir immer mehr wie zweigeteilt. Denn der Süden der Stadt ist leicht erreichbar für mich mit dem Fahrrad. Immerhin wohne ich ja in der Nachbarstadt Ratingen. Und hier ist viel Natur, die 6-Seenplatte, der Zoo und der Regattasee und der Duisburger Stadtwald zieht sich bis kurz vor die City. Weiter ist natürlich auch im Süden der Stadt die große KruppMannesmann-Hütte am Rhein und das RWE-Kraftwerk und die Kokerei. Schon abert scheint mir das mit den vielen Grünvierteln eine ausgewogene Mischung und so groß sind die Unterschiede von Duisburg-Süd nicht zu den Nachbarstädten Ratingen oder Düsseldorf.

Fahrt mit Tücken nach Bruckhausen

Dann aber in den Norden der Stadt komme ich dagegen auch gar nicht so leicht. Denn mit dem Rad ist es mir viel zu weit und mit dem ÖPNV von Ratingen aus nach Duisburg zu fahren, ist gewöhnungsbedürftig bis ziemlich schwierig. So komme ich eher und schneller noch nach Dortmund am anderen Ende vom Ruhrgebiet. Und auch diesmal ist es eine holprige Fahrerei erst über den Düsseldorfer Flughafenbahnhof zum Hauptbahnhof Duisburg, in den Norden Duisburgs zu gelangen.

Endlich fährt zwar die U-Bahnlinie 901 Richtung Obermarxlohl wieder, aber nur bis zum Landesarchiv NRW? Und keine weiteren Infos gibt es dazu an der U-Bahnstation im Hauptbahnhof. Dann aber fahre ich dennoch mal einfach mit. Und am neugebauten Landesarchiv am Innenhafen müssen die Fahrgäste wegen einer Baustelle in einen Ersatzbus umsteigen und ein paar Kilometer weiter geht es für alle Fahrgäste im Bus wieder in die Straßenbahn diesmal von der Linie 901.

Die Mauer von Bruckhausen

Dann an der Station „Thyssen Kokerei“ steige ich aus der Bahn. Und sofort erschlägt mich der Anblick der Mauer gegenüber der auch nicht gerade ansehnlichen Hütte. Denn vor nicht so langer Zeit standen hier an der Kaiser-Wilhelm-Straße noch schöne Wohnhäuser. Schon habe ich von diesem neuen Bauwerk bereits gewußt, aber der Anblick ist wirklich verstörend wie der einst von der Berliner Mauer. Und die Dieselstraße ist gar nicht mehr wiederzuerkennen. Inzwischen ist die ganze Siedlung von stilvollen Gründerzeithäusern plattgemacht. Dafür sieht man diese häßliche Mauer und die Hütte und links ist der Blick jetzt frei auf den roten neuen Hochofen der Hütte im Stadtteil Beeck. Dafür ist der Hochofen 4 längst verschwunden.

Ich bleibe nicht lange in diesem so furchtbar veränderten Bezirk. Da habe ich kein Verständnis für, daß man so einen eigentlich einmal sehr angenehmen Wohnbezirk trotz der Nähe zur gigantisch-großen ThyssenKrupp-Hütte ohne Not plattmacht und stattdessen eine Mauer errichtet. „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ ist so leider ein geflügeltes Wort auch in Duisburg geworden. Denn diese Mauer kommt mir fast ebenso scheußlich und menschenverachtend wie einmal die Berliner Mauer vor.

Von Bruckhausen aus gehe ich zur Zeche Deutscher Kaiser

Von der Dieselstraße ist es dann nicht weit zur Schachtanlage 4/8 der ehemaligen Zeche Friedrich Thyssen, die früher einmal Zeche Deutscher Kaiser hieß. Ein netter Leser meiner Texte schrieb mir als Tip, daß ich mir beim nächsten Besuch doch dort den umzäunten Bergschaden auf dem Gelände ansehen soll. Tatsächlich hatte ich den beim ersten Mal dort übersehen. „Einsturzgefahr“ steht auf einem Schild am Zaun vom ehemaligen Schacht 4, was ich selbstverständlich respektiere. Diese einstige Schachtanlage 4/8 der Zeche Deutscher Kaiser oder „Natur auf Zeche Friedrich Thyssen“ gefällt mir sehr mit ihrer Mischung von Natur und Zechenrelikten wie den Gleisresten der Zechenbahn und der umzäunten Schachtanlage. Da kann man die interessante Industriegeschichte der Großzeche noch nachvollziehen.

Von der Zeche ist es nun nicht mehr weit bis in den Bezirk Meiderich. Hier scheinen die Menschen gerne zu wohnen wie einst auch die Menschen im Bezirk Bruckhausen. Nach dem Weg zu einer U-Bahnstation muss ich 2mal fragen; die Gegend hier ist mir ganz fremd, aber ich finde sie angenehm.

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Text und Fotos von Ernst Käbisch

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