Zeche Eintracht Tiefbau in Essen-Freisenbruch

Irgendwo hier an der Bochumer Landstraße waren die beiden Schachtanlagen der Zeche.
Irgendwo hier an der Bochumer Landstraße waren die beiden Schachtanlagen der Zeche.
von Ernst Käbisch

Die Zeche Eintracht Tiefbau war eine bis 1925 tätige Steinkohlenzeche in Essen mit insgesamt 4 Schächten und einer Kokerei. Es sind noch einige Zechengebäude erhalten geblieben darunter der potthäßliche, aber doch einzigartige und daher erhaltenswerte Kokskohlenturm von Schacht Heinzmann auf Schachtgelände 2. Anderthalb Kilometer westlich davon ist in einem Park an der Bochumer Landstraße noch die Schachtabdeckung von Schacht 1 leicht auffindbar auf einer Wiese.

Was haben die im Wetterbericht nur wieder angesagt? Es schneit doch gar nicht, denke ich so leichtfertig. Aber vorsichtshalber fahre ich doch nicht so weit diesmal, nur bis nach Essen.

Aber der Weg vom S-Bahnhof Essen-Steele Ost auf der Bochumer Landstraße zieht sich. Das ist viel weiter zu gehen als letzte Woche in Marl vom Bahnhof Marl-Mitte zum Erzschacht AV 4/5.

Diese Bochumer Landstraße hat inzwischen Hausnummern hoch über der Nummer 300, aber immer noch nicht bin ich hier in Bochum-Wattenscheid – oder Gelsenkirchen-Ückendorf. Das ist alles sehr nahe beieinander; die Übergänge zwischen den Städten sind hier fliessend. Aber nachwievor bin ich in Essen, im Bezirk Freisenbruch inzwischen.

Schacht Heintzmann der Zeche Eintracht Tiefbau

Endlich geht rechts die Alleestraße ab und ich sehe schon an deren Ende diesen komischen Kokskohlenturm. Hübsch ist der ja nicht. Das ist kein Vergleich zu so einem formschönen Malakowturm oder z.B. den Schachttürmen der Zechen Osterfeld oder Rheinpreussen… Das ehemalige Zechengelände ist verschlossen und es wird auf einem Schild vor einem freilaufenden Hund gewarnt.

Ausserdem ist es immer noch stockdunkel; eigentlich viel zu dunkel, um zu fotografieren. Das ganze Areal hier wirkt auch irgendwie unheimlich und der Eindruck wird verstärkt durch hunderte von Baumstämmen, die als Schäden von Sturm „Ela“ hier um das Zechengelände gelagert sind. Es sind ein paar weitere alte Zechengebäude erhalten geblieben, aber alles wirkt irgendwie lieblos, ungepflegt und zum Teil direkt häßlich. Dabei sind 2 an das Zechengelände angrenzende Häuser bewohnt und deren Grundstücke sehen gepflegt aus. Vielleicht aber sind meine Eindrücke auch so negativ, weil jetzt Winter (und noch immer Nacht) ist.

Frühmorgens bei Zeche Eintracht Tiefbau

Was die gewerblichen Mieter da auf dem Zechengelände machen, ist mir durch Blicke durch den Zaun nicht ganz klar. Am ehesten ähnelt das, was man da sieht, einem derzeit verwaisten Abenteuerspielplatz für Kinder. Aber dazu passt gar nicht dieser gemauerte Schacht, der inmitten von Gestrüpp vor dem Zaun einfach ohne Abdeckung da ist und in den Boden führt. Was ist, wenn hier der Schacht Heintzmann der Schachtanlage 2 der Zeche doch nicht ganz verfüllt wäre?

Inzwischen ist es etwas heller geworden; die seltsame, fast gruselige Szenerie wird in ein unwirkliches rötlich-bläuliches Licht getaucht; richtig taghell ist es aber immer noch nicht. Ich habe jetzt auch keine Lust mehr, mich an diesem unwirtlichen Ort aufzuhalten. Einmal fast herumgegangen bin ich ja nun. Immerhin ist das Zechengelände jetzt aufgeschlossen, aber von wem eigentlich? Ich sehe hier doch keine Menschenseele. Und wegen dem Hund wage ich es auch nicht, weit in das Gelände hineinzugehen. Wahrscheinlich ist das in freundlicheren Monaten sogar ganz urig hier.

„Eintracht Tiefbau 1“ ist auf einer Parkwiese

Auf dem Weg zurück zur S-Bahnstation fängt es nun doch in dicken Flocken an zu schneien. Trotzdem gucke ich mal in die kleinen Grünanlagen rechts und links der Straße hinein. Und Tatsache werde ich in einem Park links der Bochumer Landstraße fündig. Da ist tatsächlich die Schachtabdeckung von Schacht 1 und wenn ich noch unsicher bin, ob diese vielen komischen Deckel von der Zeche sind, auf zwei Schildern steht ganz eindeutig „Eintracht Tiefbau 1“, also Schacht 1 der Zeche war hier genau, wo jetzt die Wiese ist. Und von dieser Schachtanlage gibt es wohl wirklich kein weiteres Relikt.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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