Zeche Mathias Stinnes in Essen und Gladbeck

Vor einem Steigerwohnhaus der eh. Zeche Mathias Stinnes
Vor einem Steigerwohnhaus der eh. Zeche Mathias Stinnes

von Ernst Käbisch

Die ehemaligen Zechensiedlungen der Zeche Mathias Stinnes in Essen-Karnap und Gladbeck-Brauck machen auf mich überhaupt nicht den Eindruck, dass ich mich hier in „Problemvierteln“ befinde. Das sind liebevoll gepflegte und ganz offensichtlich gerne bewohnte Siedlungen mit mehrgeschossigen Gründerzeitmietshäusern mit viel Stuck. Auch gibt es hier geschmackvolle kleine Zechenwohnhäuser mit kleinen Gärten und sogar prächtige Villen, wo die bessergestellten Steiger gewohnt hatten.

4 Ruhrgebietsstädte grenzen da aneinander, wo einst die sehr große Verbundszeche Mathias Stinnes arbeitete. Das sind Essen, Gladbeck, Bottrop und Gelsenkirchen. Man kann da gemütlich von einer Stadt in die andere zu Fuß gehen und wird überrascht sein, was für eine angenehme, ruhige Wohngegend das ist. Denn eigentlich sind sowohl der Norden von Essen als auch der Süden von Gelsenkirchen berüchtigt als sogenannte Problemviertel. Die die Arbeitslosigkeit und die Kriminalitätsrate sollen hier groß sein.

Wegen der Steinkohlehalden war ich jetzt schon oft hier. Die „Braucker Alpen“ sind ein richtiges kleines Gebirge. Und zwar ist das ein Haldengebirge aus kohlenstoffhaltigem Abraum der Steinkohleförderung und inzwischen längst begrünt und zum Teil mit Wald bewachsen. Das wird hier eins der großen neuen Naherholungsgebiete im Revier, wo früher Montanindustrie, hauptsächlich Steinkohlezechen, tätig war.

Schachtanlage 1/2/5 der Zeche Mathias Stinnes

Hier in Essen-Karnap und in Gladbeck-Brauck und ein bisschen auch in Bottrop mit den ehemals eigenständigen und dann auch zu Mathias Stinnes gehörenden Zechen Welheim und Rheinbaben war das die Verbundszeche Mathias Stinnes, die hier die Steinkohle förderte. Und ganz offensichtlich an den prächtigen Villen- und Gründerzeitzechensiedlungen brachte sie den Menschen eine Menge Wohlstand.

An der Karnaper Straße in Essen-Karnap erinnert aber eigentlich nur noch eine große Seilscheibe mit metallener Infotafel an der Station der U-Bahn-/Strassenbahnlinie U11 „Arenbergstraße“ an die Zeche. Und eine Protegohaube vor einem großen Lebensmitteldiscounter weist auf den einst sich hier befindlichen Schacht 1 der Zeche Mathias Stinnes hin. Daneben ist noch ein Stück verwildertes Zechengelände von der Schachtanlage 1/2/5 und ein Stück Zechenmauer erhalten. Ansonsten beginnt man auch hier, Stromkästen mit alten Bergbaumotiven der Zeche zu bemalen. Besonders Motive der markanten, aber längst abgerissenen Fördertürme der Zeche fallen auf. Und an einigen Stellen stehen Loren als Blumenbeet in Vorgärten der gepflegt wirkenden Zechenwohnhäuser.

Schachtanlage 3/4 der Zeche Mathias Stinnes in Gladbeck

Das ist nicht viel, aber immerhin noch mehr als von so manch anderer Zeche übrig geblieben ist. Und immerhin sind ja die wunderbaren Zechensiedlungen weitgehend erhalten und offenbar auch ohne Leerstand bewohnt. Wer hier so stilvoll wohnt, will sicher nicht irgendwo in einen Plattenbau umziehen.

In Gladbeck-Brauck in der Boyer Straße an der ehemaligen Schachtanlage 3/4 ist sogar noch ein bisschen von den alten Zechengebäuden erhalten geblieben. Man kann die nur nicht so ohne weiteres alle besichtigen auf dem weitläufigen Gelände, weil da längst eine andere Firma die alten roten Backsteinbauten der Zeche neu nutzt. Das ist ja immerhin eine ganz positive Sache, weil dadurch bleibt etwas von der Zeche erhalten.

Erhalten sind in Gladbeck auch längst von Sträuchern und Bäumen überwachsene Gleisreste, verwitterte Schilder und dergleichen der schon zeitentrückt wirkenden Zechenbahn. Und ganz attraktiv ist inzwischen das weitläufige zum Teil mit Wald und zum Teil mit Heidelandschaft bewachsene Haldengebirge, im Volksmund Braucker Alpen genannt mit der Halde 19, der Halde Graf Moltke, der Halde Hering und der Mottbruchhalde, die nach wie vor noch von den aktiven Prosperschächten in Bottrop aufgeschüttet wird und noch längst nicht ihre endgültige Form gefunden hat. Auf der Halde 19 ist als Landmarke eine markante rote Seilscheibe der Zeche Mathias Stinnes aufgestellt.

Bereits 1972 wurde der Betrieb auf der Zeche Mathias Stinnes endgültig eingestellt.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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