Zeche Nachtigall in Witten

BIs 449 Meter wurde der Tiefbauschacht Hercules der Zeche Nachtigall abgeteuft.
BIs 449 Meter wurde der Tiefbauschacht Hercules der Zeche Nachtigall abgeteuft.
von Ernst Käbisch

Witten ist also die größte Stadt im Ennepe-Ruhr-Kreis. Sie liegt schon am Rande vom Sauerland und vom bergischen Land. Und hier im Muttental befindet sich die Wiege der Steinkohleförderung im Ruhrgebiet. Und um das Anschauungsbergwerk Nachtigallstollen und dem Tiefbauschacht „Hercules“ der ehemaligen Zeche Nachtigall ist inzwischen ein bekanntes LWL-Industriemuseum. So erfährt man dort anschaulich die Unterschiede von Stollenzeche und Tiefbauzeche.

Für heute habe ich also einen Wochenendtag als Urlaub genommen. So macht es mir nichts aus, daß im Ruhrgebiet mal wieder Ausnahmezustand im öffentlichen Personennahverkehr ist. Denn ein Stellwerk in Mülheim an der Ruhr ist ausgefallen. Und eine ungeduldige, wie ich in Essen am Hauptbahnhof auf ihren Zug wartende Frau sagt genervt wegen der ständigen Durchsagen über Lautsprecher, dass man es nun allmählich ja weiß.

Der Weg zur Zeche Nachtigall in Witten

Für die Fahrt nach Hagen über Witten mit einer der kleinen hier verkehrenden Privatbahnen hat der Stellwerksausfall schon wenig Auswirkung. Denn alle Fahrgäste müssen zwar von Gleis 9 zu Gleis 4 wechseln. Und der Zug hat 5 Minuten Verspätung. Das geht ja noch. Die Fahrt nach Witten dauert dann auch nicht lange. Witten ist schon eine Station nach Bochum. Und sogar der Fußweg ins Muttental ist gar nicht weit. Das ist so viel kürzer als 30 Minuten, wie es bei der Route der Industriekultur genannt ist.

Die Nachtigallbrücke führt dann als Fußgängerbrücke über die hier sehr breite Ruhr. Es ist gar nicht zu glauben, daß diese grüne hügelige Landschaft mitten im Ruhrgebiet ist. Außerdem sieht es hier schon so aus wie im nahen Sauerland. Und tatsächlich ist Witten ebenso wie Hagen ja so etwas wie ein Tor zum Sauerland. Je nach Sichtweise gehören diese beiden Ruhrgebietsstädte sogar schon zum Sauerland.

Die Zeche Nachtigall ist die Wiege des Ruhrgebiets

Gleich auf der anderen Ruhrseite ist bereits die sogenannte „Wiege des Ruhrgebiets“. Und das sind die Zeche Nachtigall und das Muttental. Zuerst wirkt dieses Gelände des LWL-Museums ja etwas trist. Weil so früh am Samstagmorgen bin ich offenbar bisher der einzige Besucher. Aber was dann hier gezeigt wird, ist wirklich klasse. An der Kasse frage ich schon nach der Erlaubnis, hier fotografieren zu dürfen und diese Bilder auch im Internet zu veröffentlichen.

So abgesichert gucke ich mir also die Fördermaschine im Maschinenhaus an. Und auf dem Gelände die Anlagen einer Ziegelei. Weiter ist hier ein originalgetreues Kohlenschiff, Loren, Werkstätten, abenteuerlich rostige Gegenstände eines Schrottplatzes. Dann gibt es nachgebaute Anlagen von Kleinzechen und einen Stolleneingang. Und überall mache ich Fotos von.

Dann entdecke ich den Schacht „Hercules“ in einem Museumstrakt. Und zwar ist das in einem der urigen Bruchsteinhäuser aus Ruhrsandstein. So rotleuchtende informative Schriften laufen in diesen originalen ersten Tiefbauschacht des Ruhrgebiets hinein. Schon bis zur 10ten Sohle mit einer Tiefe von immerhin 449 Meter wurde der abgeteuft. Das ist interessant und äusserst anschaulich präsentiert.

Der Nachtigallstollen der Zeche Nachtigall

Und um 11 Uhr beginnt die Stollenführung an dem Eingang zum Nachtigallstollen am 60 Meter hohen Hettberg. Schon bei meinem Rundgang auf dem Gelände  hatte ich da hinein gesehen. Und ich bin bei dieser ersten Führung am heutigen Samstag der einzige Besucher, der sich in der Kaue einen Schutzhelm aufsetzt. Dann begebe ich mich in den nicht sehr breiten Stollen. Und mit zum Teil nur 1,50 Meter ist der überhaupt nicht hoh, aber ebenerdig. Zum Glück ist ein ehemaliger Bergmann dabei.

Es ist sehr anschaulich und informativ, wie dieser engagierte Fachmann, ein ehemaliger Bergmann der Zechen Walsum, Zollverein und Minister Stein diese Führung auch alleine nur für mich macht und mir die Besonderheiten dieses 80 Meter langen „durchschlägigen“ Nachtigallstollen erklärt, der auch in Verbindung steht mit einem Stollen der einst auch hier tätigen Ziegelei Dünkelberg. Er zeigt mir im Stollen z.B. eine Stelle, wo Eisen- und Manganerz ist und dann natürlich wo das Flöz „Geitling“ mit der Kohle beginnt. Dort ist ein „Gestreb“ in das Flöz hineingetrieben und mit dicken Holzpfählen abgesichert. Über eine Rutsche werden die scheinbar ganz reinen hier geförderten mächtigen Kohlebrocken in die Loren gefüllt.

Führung im Stollen der Zeche Nachtigall

Jemand bei einer früheren Führung hätte etwas in dem „Gestreb“ verräumt, sagt der Bergmann nun und läßt mich ein paar Minuten allein in dem halbdunklen Weg im Stollen stehen, um in den steilen, durch dicke Holzbohlen abgesicherten Gang in den Flöz zu klettern und dort etwas Ordnung zu schaffen. Das ist ein ganz uriger Moment, wo diese Atmosphäre fast alleine in einem Bergwerk mich schon sehr beeindruckt.

Anschliessend an diese Führung gehe ich noch ein bisschen weiter in das Muttental hinein und dabei auch um den Hettberg herum, wo der Nachtigallstollen durchführt. Der „durchschlägige“ Stollen hat seinen anderen Eingang/Ausgang hier ausserhalb des Geländes der Zeche Nachtigall. Vorhin bei der Führung hatte ich dieses Tor mit den schmiedeeisernen Verzierungen schon vom Stollen aus gesehen.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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