Zeche Niederberg in Neukirchen-Vluyn

Zeche Niederberg in Neukirchen-Vluyn
barocke Giebelwohnhäuser der Zeche Niederberg
von Ernst Käbisch

Die Zeche Niederberg in Neukirchen-Vluyn war die westlichste Zeche des Ruhrgebiets. Hier ist nicht nur das Ruhrgebiet zu Ende, sondern auch fast das Bundesland NRW. Bis zur holländischen Grenze sind es von hier am westlichen Niederrhein nur noch ein paar Kilometer. Zuletzt bildete die Zeche Niederberg mit der Zeche Friedrich Heinrich in der Nachbarstadt Kamp-Lintfort zusammen  das Bergwerk West. Von beiden Zechen sind Zechengebäude und Zechensiedlungen barocke Schmuckstücke in Jugendstilarchitektur.

Obwohl es heute nicht aufhört zu regnen, fahre ich diese umständlich mit 3 mal Umsteigen zu fahrende Strecke bis in den westlichsten Zipfel des Ruhrgebiets schon unweit der Grenze zu den Niederlanden. Zuerst muss ich am Düsseldorfer Flughafenbahnhof in eine der Bahnen nach Duisburg einsteigen. Dort weiß ich dann, daß an Gleis 6 noch die kleine Privatbahn nach Xanten wartet. Die fährt um jeweils 10 nach los. Knapp erreiche ich rennend noch die bereits abfahrbereite Bahn. Im schon linksrheinischen Moers steige ich aus. Dann habe ich auch hier am Bahnhofsvorplatz zum Glück fast direkt Anschluß an den sonntags auch nur stündlich fahrenden Bus 912 nach Neukirchen-Vluyn.

Schachtanlage 1/2/5 der Zeche Niederberg

Das immerhin klappt ja besser als erwartet. Schon am Etzoldplatz, wo ich aus dem Bus steige, sehe ich die beiden Fördertürme von Schachtanlage 1/2/5 der Zeche. Allerdings fängt es gerade jetzt richtig heftig an zu regnen. So etwas ist Pech und viel nützen da die mitgenommene Regenjacke und der Schirm auch nicht. Eigentlich kann ich lediglich schnell ein paar „Beweisfotos“ machen, daß ich hier war. In Ruhe mich bei den imposanten Zechenrelikten mit den beiden Fördertürmen und den Maschinenhausresten umzugucken ist gar nicht möglich. Und auch die benachbarte Zechenkolonie mit so wunderbaren barocken Giebelhäusern kann ich mir nur recht oberflächlich angucken, da es nun in Strömen gießt.

Schachtanlage 1/2/5 der Zeche Niederberg ist zurecht eine der noch größeren der weitgehend erhalten gebliebenen Zechen im Ruhrgebiet und ich frage mich, warum ich bisher noch nicht hier war. Die Zechen mit erhalten gebliebenen Fördertürmen habe ich im Ruhrgebiet doch fast alle schon besucht außer schwer für mich erreichbare etwa in Hamm oder Bönen oder Castrop-Rauxel… Schwer erreichbar ist das hier am westlichen Niederrhein für mich allerdings ja auch. An einem Wochenendtag, wenn ich anschließend im Krankenhaus arbeiten muss, ginge das ja gar nicht. Und in der Woche wären die Fahrpreise hierhin viel zu hoch.

Leider regnet es bei der Zeche Niederberg

So muss ich jetzt einfach den mal arbeitsfreien Sonntag hier nutzen und den Regen Regen sein lassen. Die imposanten Fördertürme widerstreben allerdings eh, von mir ordentlich fotografiert zu werden. Das ist bei so großen Bauwerken mit den sich verjüngenden Linien einfach schwer machbar.  Eine simplen Kamera ohne Weitwinkelobjektiv kann die perspektivisch sich verjüngenden Linien nicht gut darstellen.

Schon gar nicht geht es, beide Türme gleichzeitig zu fotografieren, daß es gut aussieht. Ich habe gelesen, daß es Denkmalschutz nur für den einen der beiden Türme gibt. Hoffentlich bleiben aber beide erhalten. Und das nicht nur, damit ich sie noch einmal vernünftig fotografieren kann. Mir fällt gerade ein, daß ich ja jemanden flüchtig kennengelernt hatte, der hier mal arbeitete. Da nahm nämlich an einem Selbstverteidigungskurs, den ich Anfang des Jahres noch bei meinem früheren Job in Mülheim an der Ruhr mitmachte, auch ein jetziger Wachmann teil. Der erzählte, früher als Bergmann in Neukirchen-Vluyn gearbeitet zu haben.

Die Zeche Niederberg war mit der Zeche Friedrich Heinrich zuletzt das Bergwerk West

Die Zeche Niederberg war zuletzt ein Bestandteil des Bergwerks West. Jedenfalls gab es die Fusion oder wie man auf Bergmannsdeutsch sagt Konsolidation mit dem Bergwerk Friedrich Heinrich in Kamp-Lintfort. Wie bei der in Kamp-Lintfort 2012 geschlossenen Zeche sind sowohl Zechengebäude als auch die Zechensiedlungen hier eindrucksvolle Ensembles von roten Backsteinbauten in barocker Jugendstilarchitektur. Wunderbar anzusehen sind auch die Innenhöfe der Siedlungen mit den kleinen Häusern fürs Vieh. In einem dieser einst für die Haustiere der Bergleute gebauten auch sehr ästethischen Häuser am Etzoldplatz ist ein Taubenschlag für Brieftauben. Das ist doch ein typisches Ruhrgebietsbild.

Es regnet sich gerade so richtig ein. Und auf den nächsten Bus nach Moers muss ich etwa eine dreiviertel Stunde warten. Zu Fuß gehe ich dann eben noch mit nun auch aufgespanntem Schirm in den Ortsteil Neukirchen von Neukirchen-Vluyn hinein. Dort gibt es aber nichts weiter zu sehen. In diesem Dorf am platten Niederrhein gibt es 2 Kirchen. Weiter ein paar Straßenzüge voller Wohnhäuser und ein paar der üblichen Geschäfte. Und dann ist auch ein Bäckerladen, der sogar gerade noch aufhat. Und hier verkauft man mir ein paar der letzten Brötchen.

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