Zeche Pörtingsiepen in Essen-Fischlaken

Die Lore weist auf Schacht 1 der Zeche Pörtingsiepen hin.
Die Lore weist auf Schacht 1 der Zeche Pörtingsiepen hin.

von Ernst Käbisch

Wie so viele andere Zechen im Ruhrgebiet z.B. ja auch die Zeche Langenbrahm nördlich des Baldeneysees ist die einstmals große Zeche Pörtingsiepen südlich des größten Ruhrstausees bereits sehr in Vergessenheit geraten. Denn ausser der roten Seilscheibe unweit von Haus Scheppen als immerhin eindrucksvolles Bergbaudenkmal ist von Zeche Pörtingsiepen nichts erhalten geblieben.

Bei der Suche nach Spuren der Zeche Pörtingsiepen habe ich heute eine gemütliche Landpartie vor mir. Und es gibt von der Zeche nur noch eine markante Landmarke. Schon fast am Ende der Straße Pörtingsiepen kurz vor dem Baldeneysee ist das eine rotgestrichene Seilscheibe von Schacht 2. Aber sonst ist Nichts von dieser einstmals mit der Zeche Carl Funke größten Zeche am Baldeneysee übriggeblieben. Und der Baldeneysee wird auch hier immer mehr zum attraktiven ländlichen Naherholungsgebiet. Immerhin markieren einige Hinweise die Standorte der einstigen Schächte. Denn Zeche Pörtingsiepen war einmal ein bedeutendes Bergwerk. Noch im Jahr 1967 wurde Zeche Pörtingsiepen mit der nördlich vom Baldeneysee gelegenen Zeche Carl Funke zum Verbundsbergwerk Pörtingssiepen/Carl Funke zusammengelegt. Aber seit 1973 ist sie endgültig geschlossen.

Schachtabdeckung eines Bergeschachts von Zeche Pörtingsiepen

Also mit dem Bus 180 fahre ich ab der S-Bahnstation Essen-Werden mal wieder in Richtung Burgaltendorf mit. Und an der Station Hespertal mitten in einem der Zentren des frühen Bergbaus an der Ruhr steige ich aus. Gerade hier am Lokschuppen der ehemaligen Hespertalbahn vorbei gehe ich auf einem Wanderweg am Hesperbach entlang. Und diesen Weg hier fast parallel zu der von Autos befahrenen Straße Pörtingsiepen kenne ich noch gar nicht. Dabei ist das hier viel angenehmer zu gehen. Genau hier führte die Trasse der aus Velbert kommenden Hespertalbahn entlang. So sind hier noch viele Zechenrelikte zu finden. Und das fängt an mit einer Schachtabdeckung des sogenannten Bergeschachts von der Zeche Pörtingsiepen.

Ausser der Zeche Pörtingsiepen gab es hier viele andere Zechen

Dann gibt es zahlreiche Mauerreste von Zechengebäuden. Weiter stehen an der Straße Pörtingsiepen stilvolle Wohnhäuser von Bergleuten und Zechenbeamten der kleineren Zechen Richrath, Dreckbank und Nöckerskottenbank. Außerdem ist neben dem Waldweg in dichtem Waldgebiet der Boden zum Teil tiefschwarz. Und man findet da auch schon mal fast reine Kohlestückchen. Dann fliesst an einer Stelle  ein Gewässer mit rötlich gefärbtem (eisenhaltigen) Wasser wie bei dem Stollenmundloch der Zeche Pauline in den Hesperbach.

Und all diese kleinen Zechen hier gehörten ja zum Schluss zur großen Verbundszeche Pörtingsiepen. So waren das auch die Zechen Maasbank und Nierbank. Und von diesen kleinen Zeche in der Maasstraße sind wunderbare alte Steigerhäuser erhalten. Dann unweit von hier sind am Ufer des Baldeneysees noch 2 markante Stollenmundlöcher vorhanden. Also ist es nicht ganz richtig zu sagen, dass es von der Zeche Pörtingsiepen keine Relikte mehr gibt. Aber es fehlen leider längst sämtliche markanten Übertageanlagen einer einst großen Zeche wie Maschinenhäuser, Kohlenwäsche, Brikettfabrik oder Fördertürme. Denn noch zu dem Haferkamp-Tatortfilm Fortuna III waren das eindrucksvolle Filmkulissen. Und nur die renaturierten Orte, wo das alles mal war, sind mit etwas Mühe zum Teil noch auffindbar.

Außerdem ist das hier in Fischlaken aber wie auf einem kleinen Dorf wie vor hunderten von Jahren. Schon bevor die Menschen entdeckten, dass diese schwarzen Brocken im Gelände brennbar sind und Energie liefern. Und sogar heute noch liegen hier solche schwarze Kohlestücke herum.

Zeche Pörtingsiepen Schacht 1

Dann ist an einem Feldweg zwischen uralten Bauernhöfen mit Land- und Viehwirtschaft, den Fischlakener Höfen auf einem Schienenrest eine schwarze alte Lore mit überquellender Bepflanzung. Und die Lore trägt die weisse Aufschrift „Pörtingsiepen Schacht 1“. Und neben einem Pfeil den Hinweis „45 Meter“. Dann finde ich hier wirklich die Schachtabdeckung von Schacht 1 (Ruhrschacht) der Zeche Pörtingsiepen in einem Waldstück. Und das ist am Rande eines weitläufigen Feldes über dem Baldeneysee. Immerhin noch ein paar Mauerreste der Schachtanlagen liegen auf dem Waldboden. Und die Schachtabdeckung ist noch eindeutig erkennbar. Schon aber ist das alles an Relikten.

Dann gehe ich von dem längst wieder zum beschaulichen Bauerndorf gewordenen Essen-Fischlaken aus nun über Feldwege hinab zum von hier oben schon deutlich sichtbaren Baldeneysee und von dort zum S-Bahnhof Essen-Werden. Schon von hier sehe ich weit hinüber bis zur Villa Hügel.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

2 KOMMENTARE

  1. Hallo Ernst ,

    Walter Stärk von der Rheinhauser Bergbausammlung findet Deine Beiträge super. Überhaupt all diese
    über Essen. Ich war selbst auf der Zeche Hagenbeck. Übrigens haben wir uns in der Rheinhauser Bergbausammlung kennengelernt. Ich bedanke mich jetzt schon über weitere Beiträge. Oder komme mal wieder zu einem Besuch in der Sammlung, Glück Auf Walter

    • Hallo Walter,

      ja ich weiss natürlich, wir haben danach ja auch schon mal gemailt. Und die sehr interessante Rheinhauser Bergbausammlung habe ich keineswegs vergessen. Es ist nur so umständlich für mich dahinzukommen, auch wenn es ja nur in der Nachbarstadt ist. Und da ich jetzt auch oft in der Woche Dienst im Krankenhaus habe, wird es wohl erst in den Sommerferien etwas damit werden. Dann muss ich jede Woche ja mal eine gute Tat tun und mit Tim etwas unternehmen, damit der nicht nur am Computer rumsitzt. Es freut mich, dass Dir die Artikel gefallen, zumal Du ja offenbar vom Fach bist. Mir macht es auch nachwievor Spass, sich umzugucken, was von den Zechen übrig geblieben ist. Vielen Dank für das Lob und Glück auf
      Ernst

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here