Zeche Prinz Wilhelm in Essen-Kupferdreh

Nachgebildetes Stollenmundloch der Zeche Prinz Wilhelm
Nachgebildetes Stollenmundloch der Zeche Prinz Wilhelm

von Ernst Käbisch

Im ehemaligen Bergbaubezirk Essen-Kupferdreh waren die bedeutendsten Bergwerke wohl die Zeche Prinz Friedrich und die Zeche Prinz Wilhelm. Von dieser Zeche existiert sogar noch ein (für die Öffentlichkeit nicht zugängliches) Stollenmundloch. Außerdem sind mehrere Zechengebäude erhalten, darunter das Maschinenhaus eines Tiefbauschachts.

Die Zeche Prinz Wilhelm in Essen-Kupferdreh/Byfang bzw. die Zechenrelikte von Prinz Wilhelm sind in mehrfacher Hinsicht gewöhnungsbedürftig. Aber es ist hier auch sehr interessant. Mit dem Bus 180 fahre ich mal wieder ein Stück ab dem S-Bahnhof Essen-Werden diesmal nur bis zum S-Bahnhof Essen-Kupferdreh mit. Und dann gehe ich ein Stück die Kupferdreher Strasse in nördlicher Richtung, bis die Verlängerung der Strasse Langenberger Strasse heisst.

Und hier ist dieses eigenwillig und mir im Internet schon als nicht sehr angemessen gestaltetes Zechenhaus angekündigte Zechenrelikt der Zeche Prinz Wilhelm. Als erstes fallen mir diese mir etwas kitschig erscheinenden eigenartigen Formen einer Sonnenuhr, eines Brunnens, ein Dach mit riesengrossen Buchstaben und eine Hauswand mit einer eigenartigen Schieferverkleidung auf. Auf der Hauswand sind Piktogramme aus Schiefer von Vögeln und dem dem Bergbausymbol der gekreuzten Hämmer ähnelnden Dachdeckersymbol plaziert.

Zechenhaus der Zeche Prinz Wilhelm

Aber eigentlich ist das hier auch bei genauerer Überlegung schon ganz ansprechend gestaltet. Nun ist ein Dachdeckerbetrieb in dem alten Zechenhaus der Zeche Prinz Wilhelm. Und der macht hier natürlich sichtbar Werbung für seine Produkte. So sind das nun mal handwerklich gut gestaltete verkleidete Dächer und Hauswände.

Außerdem hält der Dachdeckerbetrieb die Erinnerung an den Bergbau hier wach. Ich habe gelesen, dass in der Werkshalle, in die ich von der Strasse aus einsehen kann, das Original des Stollenmundlochs ist. Dass so ein reger Handwerksbetrieb es aber nicht zulassen kann, dass Neugierige wie ich einfach in diesen Betrieb hineinplatzen, verstehe ich. Um so ein interessantes Bergbaurelikt sich anzugucken, darf man nicht den Betrieb stören.

Nachbildung eines Stollenmundlochs der Zeche Prinz Wilhelm

Gleich neben dem Eingang der Werkshalle an der Langenberger Strasseist ja eine ganz interessante Nachbildung des Stollenmundlochs. Eine lebensgroße Bergarbeiterfigur schiebt eine mit echter Kohle gefüllte Lore aus dem tatsächlich wie ein Bergbaustollen etwa wie der Nachtigallstollen aussehenden Stollen. Und typisch beleuchtet ist er auch. Mit der ja daneben liegenden und heute morgen an einem Werkstag geöffneten Werkshalle des Dachdeckerbetriebs sogar mit dort gerade arbeitenden Menschen ist das ein eindrucksvolles Bild. Also eigentlich ist das sogar ein Symbol des Strukturwandels im Ruhrgebiet.

Relikte des Tiefbauschachts der Zeche Prinz Wilhelm

Man muss die sehr eigenwillige Gestaltung der Zechenrelikte ja nicht gut finden. Tatsache ist aber, dass das Zechenhaus schon sehr gut und sogar auch liebevoll gepflegt wirkt. Mit Informationen über die einstige Zeche ist hier auch nicht gespart. So erzählt eine ausführliche Infotafel über die Geschichte der Zeche Prinz Wilhelm. Und die Nachbildung des Stollenmundlochs finde ich eigentlich doch sehr gelungen. Auch wenn das halt nicht das Original des Stollenmundlochs ist. Und wo ich den Hügel, an den das Zechenhaus mit dem Stolleneingang gebaut ist, ein Stück hochgehe, sehe ich auch zwei weitere Zechengebäude. Das eine Haus ist vermutlich das Maschinenhaus eines ehemaligen Tiefbauschachts der Zeche Prinz Wilhelm an diesem Ort.

Auf dem Rückweg von der Zeche Prinz Wilhelm sehe ich neben dem alten Bahnhof Essen-Kupferdreh an der einstigen „Prinz-Wilhelm-Bahn“ auch eine Informationstafel zur Zeche Prinz Friedrich. Diese weitere Zeche war auch hier in Kupferdreh tätig. Auch von dieser Zeche gibt es zwischen dem alten und dem neuen Kupferdreher Bahnhof ein paar Zechenrelikte. Aber das sind nur einfache und auch neu genutzte Hallen aus roten Backsteinen. Viel weniger kann man hier den einstigen Bergwerksbetrieb nachvollziehen.  Aber die Zeche Prinz Wilhelm gefällt mir eigentlich recht gut. Und das, obwohl ich zuerst ein wenig voreingenommen war.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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