Zeche Recklinghausen II in Recklinghausen

Förderturm von Schacht 4 der Zeche Recklinghausen II
Förderturm von Schacht 4 der Zeche Recklinghausen II

von Ernst Käbisch

Oft lohnt es sich, einen Ort mehrmals zu besuchen. Denn jetzt beim zweiten Besuch bei der Zeche Recklinghausen II bemerke ich erst deren Schönheit. Und ich stelle fest, dass hier außer dem rostigen Förderturm von Schacht 4 noch zahlreiche weitere Zechenrelikte erhalten sind. So ist der ehemalige Bergwerksbetrieb gut nachvollziehbar. Außerdem gibt es hier ein Trainingsbergwerk der RAG an einer Halde.

Die Zeche Recklinghausen II ist heute sogar das Ziel einer mehrstündigen Haldenwanderung. Aber natürlich ist die Schachtanlage 1/2/4 dieser Zeche mitsamt der umgebenden sehr interessanten Zechensiedlungen auf der Haldenwanderung vom Bergwerk Ewald über das Haldengebirge Hoheward/Hoppenbruch dabei nur ein Highlight von vielen. Und eigentlich war heute mal wieder nur der Weg das Ziel.

Recklinghausen mit Blick auf die Halde Hoheward
Zechensiedlung in Recklinghausen mit Blick auf die Halde Hoheward

Aber ich habe die Zeche Recklinghausen II gar nicht so eindrucksvoll in Erinnerung. Und vielleicht liegt es an einem inzwischen etwas besseren Verständnis vom Bergbau im Ruhrgebiet, dass ich die Relikte dieser Zeche jetzt sehr interessant finde. Denn vor einigen Jahren machten Marion, Tim und ich auch von Herten hierhin kommend einen Familienausflug. Und da war diese Zeche eben nur eine von vielen. Aber heute mit Cousin Peter gucke ich mich auch hier einmal genauer um. Nun bin ich angetan von diesem alten Bergwerk, dessen ehemalige Arbeit man sich durch die erhaltenen Relikte vergleichsweise gut vorstellen kann.

Schacht 4 und Schacht 2 der Zeche Recklinghausen II

Also ein Bergwerk muss immer mindestens 2 Ein- und Ausgänge haben. So hat es mir mal jemand erklärt. Und das ist ja auch logisch. Denn die Luft muss zirkulieren. So ein Bergwerk muss bewettert werden. Denn die Bergleute mussten immer frische Luft einatmen. Außerdem muss es in der Not einen zweiten Ausgang geben. So gibt es hier bei der Zeche Recklinghausen II nicht nur den Förderturm von Schacht 1 und daneben das ehemalige Maschinenhaus. So einigermassen kann ich mir vorstellen, wie die Seile über die Seilscheiben in das Maschinenhaus hineinliefen zu der Dampfmaschine.

An der Schachtabdeckung von Schacht 2
An der Schachtabdeckung von Schacht 2

Dazu war vielleicht 50 Meter von Schacht 4 ein weiterer Schacht, nämlich Schacht 2. Und immerhin steht da in der Umzäunung um die Schachtabdeckung eine Protegohaube. So eine Protegohaube kontrolliert die Abgasentwicklung des Bergwerks. Und ein Schild ist darunter angebracht, wo drauf steht, dass hier Schacht Recklinghausen II/2 ist und welchen Durchmesser der Schacht hatte. Und neben dem Maschinenhaus von Schacht 4 stehen 2 Seilscheiben und offenbar Teile des Förderturms von Schacht 2. Also das finde ich mal eine gute Bewahrung der Erinnerung an eine Zeche.

Weiter beinhaltet der Name Zeche Recklinghausen II ja, dass es auch eine Zeche Recklinghausen I gab. So gab es diese Zeche vielleicht 1,5 Kilometer von hier an der Hochlarmarkstraße unweit vom Rhein-Herne-Kanal. Aber die Fördertürme von diesem Bergwerk sind weg. Und nur Waschkaue, Maschinenhallen und Protegohauben erinnern hier noch an den Bergbau.

Trainingsbergwerk Recklinghausen, Zechensiedlungen

Aufzugstür am Schachtturm von Schacht 1
Aufzugstür am Schachtturm von Schacht 1

Dann ist ein Stück weiter von Recklinghausen II an einer Halde ein Trainingsbergwerk der RAG Steinkohle. Und das sieht ähnlich wie all diese Stollenmundlöcher von Bergwerken des Altbergbaus im Süden des Ruhrgebiets aus. Ein Eingang ist zu einem ebenerdigen Stollen, der in den Berg führt. Und auch, wenn das hier doch nur eine Halde ist mit schon einmal gefördertem und nur noch gering kohlehaltigem Gestein, ist das interessant. So ein ganz ähnliches Trainingsbergwerk gibt es auch in Landgraaf (NL).

Außerdem ist der Bezirk Recklinghausen-Hochlarmark hier um die Zeche herum interessant. Schöne alte Zechensiedlungen gibt es hier. Allerdings scheint einiges der so stilvollen Häuser leerzustehen. Und das ist schon schade, weil dadurch die Bausubstanz zerstört wird. Und diese zum Teil sicher denkmalgeschützten Häuser verfallen wie ganz massiv ja in der Gladbecker „Geistersiedlung“.

Dann finden wir am Ende unserer gar nicht so langen und sehr kurzweiligen Suche danach den S-Bahnhof Recklinghausen-Süd. Und hier sind wir zum Glück wieder auf dem Regionalbahnnetz. Denn mancherorts kann es abseits der Halbmillionenstädte im Ruhrgebiet im ÖPNV durchaus eine mehrstündige Odyssee bedeuten, von einer Stadt in die andere zu gelangen. Aber nun sitzen wir bald in einem Zug nach Essen. Und dort können wir umsteigen in die S-Bahn nach Ratingen bzw. in den Bus nach Velbert.

Text / Fotos: Ernst Käbisch

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here