Zeche Rheinpreußen in Duisburg und in Moers

von 1879

Im Jahr 1851 gründete der Unternehmer Franz Haniel die Zeche Rheinpreußen am Niederrhein. Am Niederrhein galt damals nicht preußisches Bergrecht wie im rechtsrheinischen Teil des Ruhrgebiets. Denn es galt französisches Bergrecht. Deswegen konnten ungewöhnlich große Grubenfelder angelegt werden. So gibt bzw. gab es Schächte der Zeche Rheinpreußen in den linksrheinischen Duisburger Ortsteilen Homberg und Baerl und sogar in der Nachbarstadt Moers. Und eindrucksvoll ist der Malakowturm von Schacht 1 in Duisburg-Homberg.

Zuerst fahre ich mit dem Bus 929 nach Neukirchen-Vluyn bzw. Venlo ab dem Duisburg HBF schon fast bis in Duisburgs Nachbarstadt Moers mit. Und kurz vor der Stadtgrenze steige ich an der Station Hochheide Markt aus. Dann ist tatsächlich vor der Handvoll riesiger Wohnhochhäuser im Plattenbaustil ein belebt wirkender Markt. Zuletzt hatte ich hier von den Plattenbauten ausgehend darauf geschlossen, das sei hier eindeutig ein „Problembezirk“. Aber dann habe ich mich vielleicht geirrt.

Spuren der Duisburger/Moerser Bergbauvergangenheit

Denn rings um die Hochhäuser und die Gründerzeithäuser in der Moerser Strasse in Hochheide ist nämlich ein lebendiger Kiez mit offenbar viel Lebensqualität. Und das setzt sich im Bezirk Homberg mit der wunderbaren Bergarbeitersiedlung Rheinpreußen fort. Weiter finden sich im Gegensatz zum rechtsrheinischen Teil von Duisburg  hier am Niederrhein auf Schritt und Tritt Spuren der Duisburger/Moerser Bergbauvergangenheit. Und in einem Park an der Südstraße ist eine überlebensgroße Bronzeskulptur des Kopfes des Gründers der Zeche Rheinpreußen Franz Haniel aufgestellt.

Dann ist die Parallelstraße der Südstraße die Baumstraße. Und hier ist ein weiterer Markt auf einem grossen Parkplatz. Zuletzt gehörten die zahlreichen Zechengebäude zu Schacht 1 und Schacht 2 der ehemaligen Zeche Rheinpreußen. So wie bei meinem letzten Besuch hier habe ich optimales Fotografierwetter. Dann besonders fotogen ist natürlich der wunderbare Malakowturm, der zwar tief durchblicken lässt durch offene Fenster. So scheint er sehr renovierungsbedürftig zu sein. Aber er ist ja umzäunt und es hängt ein Schild einer Baufirma am Turm. So besteht ja Hoffnung, dass dieses wunderbare Zechenrelikt ähnlich sinnvoll restauriert und neugenutzt wird wie bereits einige der anderen 13 Malakowtürme im Ruhrgebiet.

Der Eisenbahnhebeturm in Duisburg-Homberg

Weiter gehe ich die Zechenstraße ganz durch bis zur Königstraße in Homberg. Und da komme ich unweit der Friedrich-Ebert-Brücke an einem weiteren Malakowturm vorbei. Schon ist das ein Turm von der selben Bauart wie der von der Zeche. So ist es allerdings der einzige der erhalten gebliebenen Malakowtürme im Ruhrgebiet, der nicht dazu diente, Steinkohle zu fördern. Und dieser Malakowturm, der am kleinen Duisburg-Homberger Hafen steht, war ein Eisenbahnhebeturm. Denn hier wurden Züge auf Schiffe gehoben, die den Rhein querten. Dann auf der Gegenseite in Ruhrort gab es ebenso einen solchen Hebeturm. Später nach dem Bau der Rheinbrücken verloren diese Türme ihre Bedeutung.

Weiter gehe ich in Richtung Norden an der Rheindeichstraße entlang. Dann nach ein paar Kilometern gibt es keinen Fußgängerweg mehr an der hier stark befahrenen Straße. Und die wirkt nun wie eine Landstraße. Denn hier ist schon deutlich zu merken, dass ich am ländlichen Niederrhein bin. Jedenfalls ist man ohne Auto eigentlich ziemlich aufgeschmissen. Gerade will ich aufgeben und umdrehen. Weil es ist mir zu gefährlich, auf der Standspur der Straße entlang zu gehen. Und da sehe ich, dass rechts oben auf dem Rheindeich ein Fußgängerweg entlang führt. Dann kann ich doch noch bis in den Ortsteil Baerl gehen. Soeben hatte ich ja an einer Haltestelle gesehen, dass da auch Busse fahren.

Der Förderturm von Schacht 8 der Zeche Rheinpreußen

Und vor mir ist jetzt wieder ein Turm. So markant wie die Malakowtürme ist der zwar nicht, Dafür ist er aber noch höher. Dann wird das wohl der Wetterschacht der Zeche Rheinpreussen sein. Denn von dem habe ich schon auf dem Stadtplan gelesen. Und tatsächlich sehe ich dann neben dem Turm eine sogenannte Protegohaube mit roter Kappe. So eine Protegeohaube regelt die Abgasentwicklung bei einem stillgelegten Zechenschacht. Weiter hinter dieser Schachtanlage 8 von der Zeche Rheinpreussen bin ich endlich nach fast 10 Kilometer Fussweg im Duisburger Ortsteil Baerl angelangt. Links sehe ich dann verblüfft in nur geringer Entfernung die Landmarke in Form einer roten Grubenlampe, „das Geleucht“, auf der Halde Rheinpreussen in der Stadt Moers. Und rechts führt ein Weg in eine ruhige Wohnsiedlung in Baerl, wo direkt am Anfang eine Busstation ist. Dann muss ich nicht lange auf einen Bus nach Duisburg-Ruhrort warten.

Einfach eins der kleinen Bilder anklicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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