Zeche Sophia Jacoba in Hückelhoven

Förderturm von Schacht 3 der Zeche Sophia Jacoba in Hückelhoven
Förderturm von Schacht 3 der Zeche Sophia Jacoba in Hückelhoven

von Ernst Käbisch

Das Aachener Bergbaurevier liegt wie die „Mijnstreek“ im niederländischen Südlimburg und dessen Fortsetzung im belgischen Teil von Limburg in der sogenannten „Euregio Rhein / Maas“. Und im nördlichsten Ort Hückelhoven des Aachener Reviers war bis 1997 die Steinkohlenzeche Sophia Jacoba aktiv. Zuerst muss die Schliessung der Zeche die Menschen hier hart getroffen haben. Immerhin konnte der Förderturm von Schacht 3 erhalten werden und der ist jetzt das unbestrittene Wahrzeichen der kleinen Stadt.

Bereits zum vierten Mal innerhalb eines Jahres fahre ich ins „Aachener Revier“. Und eigentlich besuche ich so ja wieder die „Euregio Maas / Rhein“. Denn beim letzten Mal habe ich mir die Grube Schmalgraf im belgischen Kelmis angeguckt. Und die beiden Male davor war ich in Kerkrade bei Schacht Nulland und im Bergbaumuseum in Heerlen im niederländischen Südlimburg.

Also muss ich nun doch auch einmal eins der vielen ehemaligen Bergwerke im Aachener Revier in Deutschland angucken. Und Hückelhoven ist die nördlichste ehemalige Bergbaustadt im Aachener Revier. So ist von der einstmals „modernsten Zeche Europas“ (Zitat Wikipedia) Sophia Jacoba ein eindrucksvoller Förderturm von Schacht 3 erhalten geblieben. Insgesamt gab es 6 Schächte. Und von den anderen Schächten soll aber wenig erhalten sein. Weiter gibt es in Hückelhoven noch ein Bergbaumuseum, Zechensiedlungen und die „Millicher Halde“.

Fußweg zur Zeche Sophia Jacoba

Schon 2 Stationen nach Mönchengladbach-Rheydt bzw. dem Hauptbahnhof Rheydt folgt die Station der Regionalbahnstrecke Hückelhoven-Baal. Und der nun folgende Fußweg ist viel länger als erwartet. Aber das liegt auch mit daran, dass ich zuerst in die falsche Richtung nämlich nach Linnich gehe. So sagt es mir ein Hundebesitzer, den ich nach dem Weg zum Zentrum von Hückelhoven frage. Dann ist ja gut, dass ich schon nach etwa einem Kilometer gefragt habe.

Also die Stadt Hückelhoven scheint ja eine Ansammlung von kleinen Dörfern zu sein. Denn nach dem Dorf Baal folgt das Dorf Doveren. Immerhin ist ein gut begehbarer Fuß- und Radweg neben der Autostraße. Und von Doveren ist es nicht mehr weit bis ins Stadtzentrum. Auch hier sieht es wie auf einem Dorf aus, wenn man mal von den vielen großen Einkaufsmärkten absieht. Endlich sehe ich auch einiges, was an den hier doch über Jahrzehnte das Leben bestimmenden Bergbau erinnert. Denn da ist an einer Straßenecke eine „St.Barbara-Apotheke“. Dann zeigt ein Wegweiser zur „Millicher Halde“ und ein weiterer Wegweiser weist zum „Mineralien- und Bergbaumuseum“. Endlich sehe ich auch den Förderturm der Zeche. Und natürlich gehe ich da nun ran und gucke mich um.

Darf die Zeche Sophia Jacoba nicht besichtigt werden?

Gerade will ich vom Zechengelände aus nach einem Weg zur benachbarten Millicher Halde suchen, da kommt eine bösguckende Frau auf mich aus einem der Zechengebäude zu. Also mir ist nicht bewusst, irgendeine Grenze zu etwas Verbotenem überschritten zu haben. Denn all diese Loren und Werkzeuge aus dem ehemaligen Bergbaualltag liegen hier doch um den Förderturm und das Besucherbergwerk Barbarastollen herum, um angeguckt zu werden? Aber ich gehe dann eben und als die Frau sogar noch jemanden zu Hilfe ruft: „Guck mal, was der Mann hier macht.“, laufe ich sogar weg von diesem Ort. Also das ist mir noch nie im Ruhrgebiet passiert, dass ich von einem Zechengelände so verjagt werde. Und im Gegenteil waren Leute, die ich im Ruhrpott bei Zechen traf immer freundlich und manche freuten sich sogar, dass ich mich für deren alte Arbeitsstätten interessiere.

Dann beruhige ich mich aber schnell wieder. Und von den Zechenrelikten dieser Schachtanlage habe ich ja soweit alles gesehen. Außerdem finde ich von den Parkplätzen der benachbarten Einkaufsmärkte einen Weg zur Halde. Aber nachwievor liegt die eingehüllt in einer weißen Nebelwolke. Und als ich trotzdem mich mal der wie Ruhrgebietshalden dicht mit Wald bewachsenen Halde nähere, sehe ich wie letztens bei der Halde Zollverein eine Pinge. Also das ist mir dann eh viel zu gefährlich, so abseits der offiziellen Wege gerade jetzt bei dem Nebel da herumzugehen.

Weitere Relikte der Zeche Sophia Jacoba

Außerdem finde ich noch eine stilvolle Zechensiedlung und in einer „Landbäckerei“ mit Blick auf die Zeche frühstücke ich erst einmal stilvoll und für wenig Geld und wundere mich nur noch über diese eigenartige Begegnung vorhin an der Zeche. Und auch am Rathaus von Hückelhoven erinnert ein Relief mit arbeitenden Bergleuten an den ehemaligen Bergbau in dieser Stadt.

Vom kleinen Bahnhof Hückelhoven-Baal sehe ich nun in weiter Ferne die beachtlich hohe Millicher Halde und daneben den Förderturm von Schacht 3 der Zeche Sophia Jacoba. Denn der Nebel von morgens scheint sich dort aufgelöst zu haben.

Zuerst auf eins der Bilder klicken. Dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text / Fotos: Ernst Käbisch

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