Zeche und Halde Lothringen in Bochum-Gerthe

Maulwurf mit Lore

So viel ist nicht übriggeblieben von der 1967 stillgelegten Zeche Lothringen, nicht einmal ein Förderturm oder eine Lore. Und die an die erhalten gebliebenen Zechengebäude um die ehemaligen Schächte 1 und 2 anschliessende Halde Lothringen ist nicht einmal 20 Meter höher als das umliegende Gelände. Dafür trifft man in dem Stadtbezirk Gerthe im Norden von Bochum auf Schritt und Tritt  auf Spuren der Bergbauvergangenheit.

Schon 10 Stationen sind es mit der U-/Strassenbahn 308 oder 318 ab dem Bochum HBF bis zur Station „Gerthe Mitte“. Und hier ist deutlich zu merken, dass das ein ehemaliger Bergarbeiterbezirk ist. Zum Beispiel ist im Eckhaus Castroper Hellweg/Lothringer Straße eine „Glückauf-Apotheke“. So ist an dem hübschen Gründerzeithaus diese Information sogar zusammen mit dem Piktogramm der gekreuzten Hämmer in die Hausfassade gemeißelt.

Die ehemalige Zeche Lothringen

Weiter ein kurzes Stück hinein in die lebhaft wirkende Lothringer Straße an der Kreuzung zur Amtsmann-Ibing-Strasse bin ich bereits auf dem „Zechengelände“. Und da ist aber nicht den Eindruck eines solchen. Denn mir fehlt dazu ein Förderturm als markantes Symbol. Dafür stehen nur zwei Protegohauben da, wo einstmals die Fördertürme der Schächte waren. Und sonst sind hier nur die Maschinenhalle und ein Verwaltungsgebäude der Zeche stehen geblieben. Dann sind ringsum moderne Neubauten entstanden, die nicht sehr zu dem Alten passen. Immerhin ist das jetzt hier aber ein offenbar gepflegtes und rege genutztes Kultur- und Gewerbezentrum.

Die Halde Lothringen

Und an die ehemaligen Schächte schliesst sich die Halde Lothringen an, die ebenfalls erstmal eine Enttäuschung ist. Immerhin scheint man hier aber einiges richtig gemacht zu haben. Denn das kohlehaltige taube Gestein wurde nicht wie bei so manchen anderen Halden zu einem spitzen Berg aufgehäuft. Dafür wurde es weitläufig, aber dann nur sehr flach geschichtet. Und so ist die Halde höchstens 20 Meter über dem übrigen Gelände. So entfällt  der sonst bei Halden großartige Panoramablick weit ins Revier hinein. Und auch die Landmarke aus gelb angestrichenen Rohren wirkt etwas banal. Dafür wird diese Halde sicherlich keine brennende Halde sein wie etwa die Halde Rheinelbe in Gelsenkirchen oder die Halde Norddeutschland in Neukirchen-Vluyn.

Im Bergarbeiterbezirk Bochum-Gerthe

Und auch wenn Zeche und Halde etwas enttäuschen; der Bezirk Gerthe gefällt mir gut. Denn die Lothringer Straße steht voll mit hübschen Zechen– und Gründerzeithäusern. Weiter sind in vielen Häusern Geschäfte. Und vor der Kirche ist eine Lore aufgestellt. Dann ist der junge Mann, der vorhin schon auf dem Kirchhof Laub fegte, immer noch da. Und mir ist es jetzt egal, wenn der mich für einen Fototouristen hält. So mache ich eine Aufnahme von der Lore, die laut einer Infotafel auf der Lore von der Zeche Westerholt in Herten stammt. Also nicht einmal eine Lore ist von der Zeche Lothringen übriggeblieben.

Immerhin gibt es auch noch einen kleinen gemütlichen Marktplatz mit ein paar Marktständen in Gerthe. Und hier ist auch eine Seilscheibe eines Förderturms zur Erinnerung an die Zeche Lothringen aufgestellt. Dann steht auf der Infotafel daneben, dass diese Seilscheibe auch erst 1984, hier plaziert wurde.  Also 17 Jahre nach der Zechenschliessung war das.

Und da schönes Oktoberwetter ist, gehe ich nun ein großes Stück auf dem Castroper Hellweg zurück in Richtung Bochumer Innenstadt. Dann ist einige Kilometer nach Gerthe Mitte linkerhand eine große Baustelle. Auf dem Baustellenschild steht, dass auf diesem Gelände der ehemaligen Zeche Lothringen V das Gewerbegebiet Gerthe Süd entsteht. Also  war die Zeche Lothringen offenbar eine große Zeche. Umso mehr finde ich es schade, dass so wenig davon übrig geblieben ist.

Einfach auf eins der kleinen Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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