Zeche Vereinigte Gibraltar Erbstollen in Bochum

Am Stollenmundloch der Zeche Vereinigte Gibraltar Erbstollen
Am Stollenmundloch der Zeche Vereinigte Gibraltar Erbstollen

von Ernst Käbisch

Bei der Zeche Gibraltar in Bochum wird durch das wunderbar restaurierte Stollenmundloch die Funktion eines Stollens zur Entwässerung und Bewetterung eines Bergwerks anschaulich erklärt. Weiter wurde hier auch die geförderte Kohle nahe des Schifffahrtswegs Ruhr zutage gebracht. Und eine unrühmliche Zeit hatten die erhalten gebliebenen uralten Zechengebäude aus Ruhrsandstein. Denn sie wurden in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts von Nationalsozialisten als Lager für politische Gegner missbraucht.

Ein weiteres Stollenmundloch mit weiteren Zechenrelikten in Bochum hatte ich mir bisher noch nicht angeguckt. Weil die Anfahrt zur Zeche Gibraltar am Kemnader See ist schon etwas umständlich. Zuerst fahre ich ab Essen mit der S-Bahn bis Hattingen Mitte. Dann geht es mit dem Bus CE 31 weiter bis Station Steinenhaus kurz vor Haus Kemnade. Und hier bin ich genau im Städtedreieck von Hattingen und Witten und Bochum.

Gerade läuft eine Polizeiaktion an der Bahnlinie vor dem Wasserschloss Haus Kemnade. Eine Hundertschaft der Polizei durchkämmt das Bahngelände mit langen Stöcken und die Schranken sind heruntergelassen. So staut sich der Autoverkehr. Also bleibe auch ich als Fußgänger erstmal vor der Schranke stehen. Aber da ja die Polizisten auf der Bahnstrecke sind und eh kein Zug kommt, folge ich dem Beispiel von 2 Migranten. Denn die umgehen die Schranken einfach.

Die Gibraltarstraße führt nicht zur Zeche Gibraltar

Haus Kemnade ist noch in Hattingen und danach quere ich die hier sehr breite Ruhr. Dann bin ich schon in Bochum und rechts geht die Gibraltarstraße ab. Weiter führt mich die Straße aber nicht. Denn sie endet vor einer Wiese von einem Privatgrundstück. So muss ich etwas umständlich durch Wald den Weg zum Kemnader See und zur Zeche Gibraltar finden.

Also der Kemnader See ist kleiner wie der Baldeneysee in Essen, aber viel größer als der Kettwiger Stausee. 2 große und sehr alte Gebäude aus Ruhrsandstein stehen hier am Ufer des von Wald umstandenen Ruhrstausees. Und die Gebäude sind die ehemalige Waschkaue und die Verwaltung der Zeche Gibraltar bzw. der Zeche Vereinigte Gibraltar. Denn wie viele alte Zechen hat auch die Zeche Gibraltar eine wechselvolle Geschichte hinter sich und trug viele Namen. Zuletzt war sie ab 1965 noch ein Teil der Zeche Herbede in Witten. Und die Hauptschächte dieser Zeche waren drüben unweit des Südufers des Kemnader Sees in Witten am ehemaligen Bahnhof Herbede.

Das Stollenmundloch der Zeche Gibraltar, das Lager, der Schacht

Zwischen den beiden Zechengebäuden ist ein wunderbares Bergbaudenkmal mit einer Grubenlok und zwei Loren. Und das Besondere ist natürlich das restaurierte Stollenmundloch mit einem Gittertor davor und dem markant gelb gefärbten Bergbausymbol Schlägel und Eisen. Natürlich ist aber der Weg in den etwa 2 Kilometer langen Stollen zugemauert. Dennoch ist das ein sehr anschauliches Bergbaudenkmal. So kann man sich leicht den ehemaligen Bergbaubetrieb vorstellen.

Bereits vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland und danach wurden die stilvollen Ruhrsandsteinbauten der Zeche Gibraltar als Lager für politische Gegner zweckentfremdet. Und eine Infotafel darüber soll an einem der beiden Häuser angebracht sein. Denn ein Foto davon habe ich im Internet gesehen. So gehe ich um beide Gebäude herum und finde diese Tafel aber nicht. Und ich sehe nur, dass in dem einen Haus jetzt ein Restaurant ist und in dem anderen ist eine Abteilung der Ruhruniversität Bochum. Und zwar benutzt die Sportabteilung der Uni das stilvolle Gebäude als Bootshallen.

Erst zu Hause fällt mir auf, dass ich mir ja gar nicht den Schacht angeguckt habe. Denn der ist unweit und etwas oberhalb des Stollenmundlochs im Wald auch noch auffindbar. Und da wird so ein Schild stehen mit den Infos „Schacht Gibraltar“ und wie breit der Schacht war. Natürlich aber ist der Schacht längst verfüllt und vielleicht ist da die Schachtabdeckung zu sehen.

Einfach eins der Bilder anklicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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