Zeche Vereinigte Glückauf in Velbert

Die Terrassierung der Landschaft stammt aus der Bergbauzeit
Die Terrassierung der Landschaft stammt aus der Bergbauzeit, lese ich.
von Ernst Käbisch

In Velbert gibt es wie in Ratingen-Lintorf einen Zechenweg. Denn hier war in beschaulicher Landschaft bis 1916 eine inzwischen längst vergessene Eisenerz- oder war es eine Bleizeche? oder beides? tätig. Und die Landschaft um das zum Essener Baldeneysee führende Hespertal ähnelt der unweit von hier sich befindlichen Elfringhauser Schweiz.

Dann im Bus 771 treffe ich einen Bekannten, der als Dolmetscher eine Frau zum Amtsbesuch in Velbert begleitet. Es soll heute trocken bleiben, sagt er. Na ob das so kommt? Denn bei dem heftigen Regen heute Nacht und dem jetzt nachwievor starken Sturm habe ich zwar etwas Zweifel. Dann aber musste ich heute einfach mal raus und etwas erleben.

Zechenweg in Velbert

Also an der Haltestelle Postamt in Velbert steige ich aus dem Bus. Dann ist es überraschend durch die Bahnhofstraße ein gar nicht sehr weiter Weg durch die Velberter City und dann ein Gewerbegebiet zum Zechenweg. Und hier bin ich eigentlich schon wieder aus der Stadt draussen. Dann um den im Tal entlangfließenden Hesperbach sind schon beachtlich hohe Berge mit Wald. Gerade hier beginnt das bekannte Hesperbachtal, das sich bis zum Baldeneysee in wunderbar vielfältiger Landschaft entlangzieht.

Und direkt hier am Beginn war die Zeche Vereinigte Glückauf als Eisenerzzeche tätig. Dann bei einer anderen Quelle im Internet wird aber gesagt, daß hier Blei gefördert wurde. Und 1916 musste das Bergwerk wegen eines plötzlichen Wassereinbruchs aufgegeben werden, lese ich weiter.

Schon fast direkt am Beginn des Zechenwegs oberhalb eines Serpentinenwegs sind eventuell die Schachtabdeckungen des Schachtturms, von denen ich im Internet gestern gelesen habe. Und auch im weiteren Verlauf der angenehm hügeligen Landschaft, die mich sehr an die nahe Elfringhauser Schweiz erinnert, finde ich solche Abdeckungen oder sind es nur einfache Gullideckel? Aber was sollen so viele Gullideckel in so einem beschaulichen Tal, wo sonst nur ein paar Bauernhöfe sind? Dann wird das doch schon etwas mit der ehemaligen Zeche zu tun haben?

Das Hesperbachtal beginnt in Velbert

Und rechts von mir ist ein ziemlich hoher Berg, der angenehm aussieht und am Fuss bewaldet ist. jedoch handelt es sich hierbei um die Abraumhalde einer ehemaligen Mülldeponie. So habe ich das gelesen. Denn wenn ich es nicht gewußt hätte, wäre ich da niemals darauf gekommen. So wirkt das Hesperbachtal bereits hier wie eine richtige kleine Idylle. Und trotzdem heißt der schmale asphaltierte Weg nachwievor Zechenweg. Dann gehe ich noch bis zu einer kleinen Siedlung, die Hefel heißt.

Stadtgrenze zu Essen und dem Ruhrgebiet

Und hier bin ich bereits an der Stadtgrenze zu Essen und dem Ruhrgebiet. Denn ein Stück weiter ins Hesperbachtal hinein beginnt bereits der Essener Bezirk Kupferdreh, wohin einst die in der Zeche geförderten Erze gebracht und in Hütten weiterverarbeitet wurden.

Dann auf dem Rückweg finde ich zuerst keine Busstation. Denn da am Postamt, wo die Gegenhaltestelle nach Ratingen sein sollte, ist die Baustelle des ZOB Velbert. Und ein Busfahrer eines Velberter Busses, den ich frage, nimmt mich eine Station mit und schickt mich aber so noch glatt weiter in die Irre. So laufe ich eine ganze Weile orientierungslos in Velbert herum. Dann schickt mich ein weiterer Busfahrer, den ich frage, dann richtig zur Haltestelle Christuskirche. Und da warten an der Bushaltestelle bereits mein Bekannter mit der Frau, für die er mit aufs Amt gegangen ist, auf den Bus nach Ratingen.

Dann im Gespräch erfahre ich von den beiden, daß ich mit meinem Ticket 2000 mit Preisstufe A auch in die Nachbarstädte von Ratingen im Kreis Mettmann ohne Zusatzticket fahren kann. Na, das ist ja eine Perspektive. So kann ich mir die anderen Zechen in Velbert demnächst ja auch noch angucken. Denn es gab nämlich mehrere hier. Und eine davon, die Zeche Klein Umstand war offenbar sogar eine Steinkohlenzeche.

Ein Link und Ausführungen des Autors U.Lütsch

Hier ist ein Zeitungsbericht (WAZ) einer Besichtigung des ehemaligen Zechengeländes.

Anmerkung: Im Anschluß an meinen Ausflug frage ich den gebürtigen Velberter und Bergbaufreund Ulrich Lütsch, was ich mir da am Zechenweg überhaupt angeguckt hatte. Hier ist seine Antwort:

„Die VER. GLÜCKAUF hieß mit vollständigem Namen „Eisensteinberechtsame konsolidiertes Erzbergwerg Vereinigte Glück auf“ und ist entstanden aus der Konsolidierung der Gruben GLÜCKAUF (‚Clemens‘-Stollen und Hohmannsburg) in Neviges (östlich von Schloss Hardenberg) und PRINZ WILHELM am Bleiberg in Velbert Richrath, wobei die kleine GLÜCKAUF die große PRINZ WILHELM aufgekauft hat. Die Schachtanlage VER. GLÜCKAUF 2/3 im Hefel (am Zechenweg) ist die ursprüngliche Schurfanlage der neuen Gewerkschaft von 1895., eröffnet 1897.
Die konsolidierten Felder der VER. GLÜCKAUF waren verliehen auf Eisenstein (Eisenerz), Blei-, Zink- und Kupfererze sowie Schwefelkies (Schwefeleisen, also auch ein Eisenerz). Eisenerze hat man auf VER. GLÜCKAUF 2/3 jedoch nicht gebaut, sondern ausschließlich Blei, Zink- und wenig Kupfererz.

Der Zechenweg wurde von der VER. Glückauf erst 1904 gebaut.“

Die von mir gefundenen Gullideckel und auch der vermeintliche Stollen am Hesperbach haben lt. Herrn Lütsch nichts mit der einstigen Zeche zu tun. Die stollenähnliche Öffnung ist offenbar „nur“ ein „Überlauf des Sammlers“ („Ein Sammler ist ein Teil eines Bodenentwässerungsnetzes (Drainage), in diesem Fall für Oberflächenwasser.“). Unweit von da, etwa 50 Meter entfernt, befand sich aber tatsächlich ein Stollenmundloch von Schacht EDUARD III der Zeche Ver. Glückauf.

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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