Zu Fuß von Herzogenrath nach Landgraaf

Kirchenfenster in der Gedachteniskapel in Landgraaf
Kirchenfenster in der Gedachteniskapel in Landgraaf

von Ernst Käbisch

Schon immer wurde Bergbau in allen drei Ländern der Euregio Maas-Rhein betrieben. Und wenn ich in einem langen Fußweg vom Bahnhof Herzogenrath quer durch Kerkrade bis in die Stadt Landgraaf in der niederländischen Provinz Limburg gehe, bewege ich mich also vom einstigen Aachener Revier in die einstige „oostelijke Mijnstreek“. Denn sowohl Herzogenrath als auch Kerkrade und Landgraaf waren Bergbaustädte. Und hier gab es zahlreiche Bergwerke.

So in etwa anderthalb Kilometer habe ich zu gehen, bis ich vom Bahnhof Herzogenrath die Stadt- und Staatsgrenze erreicht habe. Aber diesmal passiere ich sie auch im Gegensatz zu neulich, wo ich stattdessen dann mit dem Zug in die Nachbarstadt Alsdorf fuhr. Also die Neustraße bzw. Nieuwstraat hier an der Grenze ist ja urig. Denn die eine Seite (links) gehört zu Herzogenrath und die andere Seite, wo ich jetzt gehe, ist bereits Stadtgebiet von Kerkrade. Also das ist bereits holländisch.

Aber die Straße gehört wohl noch zu Deutschland, denn auch die Busstationen rechts werden vom AVV, also dem Aachener Verkehrsverbund angefahren und die Schilder sind auf deutsch. Immerhin ist aber der Bürgersteig rechts holländisch, denn die (niederländische) Postbotin grüßt freundlich mit: „Dag“. Und das betont sie so energisch, als ob sie unterstreichen will, dass hier eben die Niederlande sind und nicht Deutschland. Und dabei sieht man das schon an den verklinkerten Häusern und den großen Fenstern mit den kurzen Gardinen, wo man in die Wohnzimmer gucken kann.

Der lange Weg nach Landgraaf

Schacht Nulland in Kerkrade
Schacht Nulland in Kerkrade

Und nun ist es nur ein Kilometer bis zu Schacht Nulland, was ich beim ersten Besuch vor anderthalb Jahren lange gesucht habe. Aber hier ist bereits nach der Grenze ehemalige Zechenwohnsiedlung und die Straßen heißen Finefraustraat, Oude Schachtstraat oder eben Domaniale Mijnstraat. So heißt die Straße nach der Zeche. Und Schacht Nulland ist diesmal richtig herausgeputzt und der Bauwagen ist verschwunden und die Lore schmückt das stilvolle Förderturmhaus.

Also bis hierhin war der Weg ja angenehm und viel kürzer als erwartet. Und auch bis zum Tunnelweg und der Halde der Staatsmijn Wilhelmina finde ich zwar relativ problemlos. Aber der Weg ist doch mächtig lang und zieht sich ja quer durch Kerkrade bis in die nächste Stadt in der „Mijnstreek“, nach Landgraaf. Und schön ist der Weg nicht gerade. Denn er führt nach dem Stadspark und dem Gaia-Zoo vorbei an einer Riesenbaustelle einer Straße und dann durch ein häßliches Gewerbegebiet.

„Gedachteniskapel van de Mijnwerkers“ in Landgraaf

Gedachteniskapel van de Mijnwerkers
Gedachteniskapel van de Mijnwerkers

Aber hier finde ich dann problemlos die Gedächtnisstätte an die Zeche Wilhelmina, von der ich schon auf der anderen Seite der großen Halde mit dem Skicenter obenauf ein Bergbaudenkmal gesehen hatte, wo ich von Heerlen aus dahin ging. Eigentlich ist hier an der Casinolaan nicht viel ausser dieser allerdings sehr sehenswerten „Gedachteniskapel van de Mijnwerkers“, die wider Erwarten offen ist und vier wunderbare Kirchenfenster mit Bergbaumotiven hat. Und natürlich ist auch eine Statue der heiligen Barbara da. Und vor der Kapelle sind auf Tafeln sämtliche Namen der verunglückten Bergleute aller 12 Bergwerke in der Mijnstreek aufgelistet. Also das ist schon eindrucksvoll.

Dann gibt es hier offenbar auch ein Anschauungsbergwerk. Also unlogisch ist das schon, dass das Stollenmundloch des Stollens mit Loren davor an der Halde der Staatsmijn Wilhelmina ist. Denn was will man an einer Halde für Kohle fördern? Das ist doch nur taubes Gestein mit minimalem Kohlegehalt. Aber nebenan ist ja auch ein Haus, was offensichtlich eine Bergbauschule sein soll oder gewesen war. Denn „Ondergrondse Vakschool St.M. Wilhelmina“ steht an dem roten Gebäude. Und „St.M.“ steht dabei für Staatsmijn, also Staatsmijn Wilhelmina.

Relikte des Bergbaus in der Euregio Maas-Rhein

Der letzte Kohlewagen von Schacht Nulland
Der letzte Kohlewagen von Schacht Nulland

Dann will ich mal nicht so kritisch sein. Immerhin macht dieses Bergbaudenkmal hier ja schon Eindruck. Und es ist auch immerhin fast 50 Jahre her, dass die Bergwerke in Südlimburg alle innerhalb einer Dekade schließen mussten. Dafür ist hier in Landgraaf, Kerkrade und auch in Heerlen ja wie drüben im Aachener Revier auch noch einiges der Bergwerke erhalten geblieben.

Schon ist es aber so, dass hier in der Euregio Maas-Rhein zwar in allen drei Ländern Bergbau betrieben wurde. Aber jedes Land hat das ganz für sich gemacht. Also die Deutschen im Aachener Revier, die Holländer in der Mijnstreek und die Belgier waren auch ganz für sich. Und erst jetzt lange nach der Schließung der Gruben bzw. Zechen entdeckt man langsam die Gemeinsamkeiten.

Text / Fotos: Ernst Käbisch

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