Zweikammer-Kalkbrennofen aus dem frühen 19. Jahrhundert

Mit Blitz fotografiere ich in die Kammer.
Mit Blitz fotografiere ich in die Kammer.

Unweit vom Blauen See, einem ehemaligen Kalksteinbruch in Ratingen (NRW) ist ein faszinierendes Industriedenkmal. Und kaum versteckt, aber der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt ist ein Kalkbrennofen aus dem frühen 19.Jahrhundert fast unversehrt erhalten geblieben.

Und es ist nicht so, dass ich da etwas neu entdeckt habe. Denn dazu ist dieses Industriedenkmal ja viel zu nah am Wegesrand und eigentlich für die Öffentlichkeit unübersehbar gelegen. Außerdem habe ich darüber auch schon gelesen. Schon ist es eben ein großer Unterschied, ob man etwas gelesen hat oder es nun erstmals mit eigenen Augen sieht. Und jetzt wo ich mir das Denkmal heute auch noch ein zweites Mal und diesmal etwas genauer angeguckt habe, frage ich mich, warum ich mich nicht schon früher dafür interessiert habe.

ein Kalkbrennofen am blauen See

Denn vieles in Ratingen und Umgebung erinnert an die immer noch im benachbarten Wülfrath in den Kalkwerken von Rheinkalk stattfindende, aber einstmals auch hier weit verbreitete Kalkgewinnung in Steinbrüchen, Und dazu gehört ja auch das Brennen des Kalks. Dann am Nordrand der Ratinger City donnert mehrmals täglich die Kalkbahn von den Kalkwerken in Wülfrath nach Duisburg vorbei. Weiter traägt ein anderer Nachbarort Ratingens, nämlich das zu Düsseldorf gehörende Dorf Kalkum, diesen Grundstoff Kalk zum Bauen und zur Verhüttung von Erz bereits im Namen. Dann gibt es in Düsseldorf-Angermund die Kalkstraße, die zum Schloß Heltorf, Wohnort der Grafen von Spee, führt. Und der Blaue See in Ratingen war ein ehemaliger Kalksteinbruch, der mit Wasser vollgelaufen ist.

Der Kalkbrennofen hat drei Eingänge 

Und unweit des Blauen Sees an einem eigentlich vielgenutzten Wanderweg ist der alte Kalkbrennofen gelegen, von dem ich schon gelesen hatte. Dann aber habe ich mir den bisher noch nicht angeguckt. Und warum habe ich das nicht? Also hochinteressant ist doch diese uralte Industrieruine vom Anfang des 19ten Jahrhunderts. Und eigentlich ist sie nicht einmal ruinös. Schon mit wenig Mühe eigentlich könnte man den Ofen wieder in Betrieb setzen. So sieht das hier aus hinter den drei vergitterten Eingängen nahe dem Wegrand, zwei Toren und einem Fenster. Dann ist der gemauerte Kamin allerdings voll mit Erde bedeckt und dicht bewachsen. Und dadurch ist er schon schwer als Kamin zu erkennen. Schon ist er scheinbar aber auch intakt.

So aus zwei Kammern besteht der Kalkbrennofen und immer abwechselnd wurden die Kammern zum Brennen des Kalks genutzt. Und das lese ich in einem Zeitungsartikel über diesen etwas geheimnisvoll wirkenden Ort, der doch so offen von jedermann besichtigt werden kann. Dann nur ein paar Trampelpfade um dieses eindrucksvolle Industriedenkmal zeugen aber vom Interesse einiger weniger. Und nicht einmal eine Informationstafel ist hier angebracht. So wie ein Stück weiter weg ja am Blauen See, wo einst der Kalkstein abgebaut wurde.

Am Blauen See, dem einstigen Kalksteinbruch

Denn dort wird vor weiteren Relikten der einstigen Ratinger Kalkwerke auf einer großen Infotafel ausführlich erklärt, wie die geologische Struktur der felsigen Landschaft hier beschaffen ist. Und es wird ausgeführt, dass hier vor Millionen von Jahren das Meer war. Und Muschelkalk wurde hier abgelagert. Dann in dem nun zum See gewordenen Kalksteinbruch und einem weiteren kleinen See, dem „Grauen Loch“ neben der Naturbühne, wurde der Kalkstein abgebaut.

Dann auf dem Grund des ca. 12 Meter tiefen Blauen Sees sollen Taucher schon Schienenreste und eine Lore gesichtet haben.

2 Links mit weiterführenden Informationen:

http://www.blauersee-ratingen.de/page-27.html

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/rhein-kreis/raritaet-am-wegesrand-aid-1.316345

Einfach auf eins der Bilder klicken, dann öffnet sich die Fotostrecke:

Text/Fotos: Ernst Käbisch

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