Burnout erkennen und vorbeugen

Burnout erkennen und vorbeugen

Ein Burnout, der sich in Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Gereiztheit äußert, betrifft längst nicht mehr nur Manager, die ständig unter Anspannung stehen, sondern es zieht sich durch alle Berufsgruppen und kann auch Hausfrauen treffen. Heute gilt ein Burnout sogar schon als Volkskrankheit. Es handelt sich dabei um einen Erschöpfungszustand, doch gilt zu klären, ob er tatsächlich nur auf die Arbeitsbelastung zurückzuführen ist. 

Historische Hintergründe des Burnouts

Sandra Waeldin und Dominic Vogt untersuchten die historischen Hintergründe, um die Ursachen eines Burnouts zu erforschen. Häufig wird verschwiegen, dass dieses Syndrom bereits vor mehr als 100 Jahren beschrieben und auf den Lebensstil der industrialisierten Gesellschaft zurückgeführt wird. Der Begriff Burnout wurde dafür jedoch erst viel später geprägt. Als Begründer der Burnout-Theorie gilt Herbert Freudenberger, doch das Thema Burnout ist noch immer umstritten.

Klassifizierung des Burnout-Syndroms

Das Burnout-Syndrom ist im Krankenkassensystem nicht als Krankheit im engeren Sinne klassifiziert, allerdings gilt es als Randerscheinung. Die Symptome, zu denen Schlafstörungen, chronische Magengeschwüre und auch Depressionen gehören, sind nicht eindeutig definiert. Die Wissenschaft ist sich weder über die Zuordnung noch über die Ursachen des Burnout-Syndroms einig.

Stress ist lebensnotwendig

Stressreaktionen des menschlichen Körpers sind völlig normal und sogar lebensnotwendig, doch sind sie auf Dauer gefährlich. Eine Situation, die vom Gehirn als gefährlich eingestuft wird, führt dazu, dass ein Signal an den Blutkreislauf gesendet wird, der dann vermehrt Blut in Herz und Beine pumpt, um eine schnelle Flucht zu ermöglichen. Auch die Atmung verstärkt sich. Der Körper schützt sich auf diese Weise vor Gefahr, doch nicht zu vergessen ist, dass auch eine ständige Überforderung und Leistungsdruck in Beruf oder Freizeit für das Gehirn Gefahrensituationen darstellen. Der Körper schüttet Stresshormone aus, die er nicht abbaut, denn der Verstand erkennt, dass keine reale Gefahrensituation vorliegt.

Hohe Ansprüche in der Gesellschaft

Die Ansprüche an die Menschen werden immer höher, doch die entsprechende Wertschätzung bleibt häufig aus. Zunächst fragen sich die Betroffenen, wenn auch unbewusst, welchen Sinn ihre Tätigkeit eigentlich hat. Das laugt aus, nicht nur auf emotionaler Ebene. Die Menschen stellen hohe Anforderungen an sich selbst, da sie die Karriereleiter erklimmen wollen. Eine hohe Einsatzbereitschaft wird gefordert, die erwarteten Überstunden werden bereitwillig geleistet. In ihrem Buch beschreiben die Autoren Waeldin und Vogt die im Job begründeten Ursachen für das Burnout, doch sie vergessen auch nicht die Ansprüche, die jeder an sich selbst stellt, sowie das Verhalten in der Freizeit. Es gilt, Überforderung und Stress zu erkennen und entsprechend zu handeln – dafür müssen die Betroffenen viele unangenehme Fragen auch bezüglich der Freizeitgestaltung ehrlich beantworten.

Die Erkennung der Symptome

Im Rahmen von Gruppenuntersuchungen gelang Psychologen keine Vereinheitlichung der Ursachen des Burnouts, da das Krankheitsbild zu unterschiedlich ist. Ein einheitlicher Test für die Betroffenen ist daher nicht möglich. Die Autoren fassten daher die häufigsten Begleiterscheinungen zusammen, um jedem eine Selbsteinschätzung zu ermöglichen, ob er tatsächlich gefährdet ist. Nur ein Facharzt oder ein darauf spezialisierter Psychologe kann eine genaue Diagnose stellen. Viele Betroffene stellen zu hohe Ansprüche an sich selbst, hier muss gegengesteuert werden. Die Betroffenen müssen erkennen, was ihnen selbst wichtig ist und was sie lediglich anderen zuliebe tun. Wer erkannt hat, dass er gefährdet ist, muss auch das Umfeld miteinbeziehen, zu dem der Arbeitgeber, aber auch Familienangehörige und Freunde gehören. Das Umfeld kann unterstützend wirken, vorbeugen und aktiv gegensteuern. Das E-Book „Krank im Job: Burnout und die Folgen“ informiert hier detailliert über Symptome von Burnout, liefert einen von Prof. Dr. Burisch entwickelten Selbsttest und gibt hilfreiche Tipps zur Prävention.

Was der Arbeitgeber tun kann

Arbeitgeber können einen entscheidenden Beitrag zur Vorbereitung des Burnouts leisten, indem sie gesunde Arbeitsbedingungen schaffen und ihre Anforderungen nicht zu hoch ansetzen. Wichtig ist auch, dass den Mitarbeitern genügend Gestaltungsfreiraum gewährt wird. Die Motivation wird gefördert, wenn die Arbeitnehmer zufrieden sind. Mit flexiblen Arbeitszeiten, einer moderaten Arbeitsdauer, regelmäßigen Pausen, aber auch mit sinnvollen Tätigkeiten, Anerkennung sowie angemessener Entlohnung können Arbeitgeber viel tun, um einem Burnout vorzubeugen.

Was Familienmitglieder und Freunde tun können

Menschen, die Burnout-gefährdet oder bereits betroffen sind, machen sich oft Gedanken über ihre Situation und darüber, was sie dagegen tun können. Ratschläge von Familienangehörigen und Freunden können nicht immer helfen, sondern sogar noch zu einer zusätzlichen Überforderung führen. Viel wichtiger ist es für Familie und Freunde, zu hinterfragen, was bereits unternommen wurde. Es reicht oft schon aus, den Betroffenen zu verstehen und ihm Unterstützung zuzusichern. Der Betroffene sollte die Gelegenheit haben, die Situation zu schildern, denn hier können oft schon Wege gefunden werden, um den Stress zu reduzieren.

Wie die Politik helfen kann

Die Politik spielt eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, Burnout in der Bevölkerung zu vermeiden. Sie kann Gesetze bezüglich Arbeitszeitregelung, Pausenzeiten und Urlaubsdauer, aber auch der Arbeitsplatzgestaltung schaffen. Für die Politik gilt es, Gesetze für menschenwürdige Arbeitsbedingungen und einer Arbeitsschutzstrategie zu entwickeln, um die Stressbelastung zu reduzieren.

Titelfoto©Lichtmeister Photography Productions e.U.-istock.com

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