OnkoWalking – körperliche Aktivität im Kampf gegen den Krebs

Onkowalking
OnkoWalking – körperliche Aktivität im Kampf gegen den Krebs

Laut Angaben der Deutschen Krebshilfe erkranken in Deutschland pro Jahr 500.000 Menschen neu an Krebs. Prostatakrebs mit rund 70.000 Neuerkrankungen gehört bei den Männern und der Brustkrebs bei den Frauen (75.200 Neuerkrankungen) zu den häufigsten Krebsarten. (Quelle: krebshilfe.de )

Erschreckende Zahlen, die die Forschung alarmieren und die fragen lassen: Was hilft? Muss man sich dem ergeben? Kann der Patient nur, wie der Begriff sagt, geduldig sein?

OnkoWalking als „Überlebensmittel“

Neue Untersuchungen , genaue Studien und viel Erfahrung führten dazu, eine besonders geeignete Sportart, nämlich Nordic Walking, für Krebspatienten zu testen – heraus kam OnkoWalking, das praktisch und theoretisch vom  Deutschen Walking Institut, dem Onkologischen Schwerpunkt Karlsruhe u.a. entwickelt wurde. (Quelle: onkowalking.info) Nahezu zeitgleich entdeckte ich 2006 Nordic Walking als ein für mich sehr geeignetes Mittel im Kampf gegen die vielen Nebenwirkungen meiner Brustkrebstherapie. Heute weiß ich, dass OnkoWalking im Kampf gegen den Krebs ein sehr gutes Mittel ist und nenne es „mein Überlebensmittel“.

Warum wirkt OnkoWalking?

Krankheit macht schwach – die Krebstherapien ebenso. Dieser Schwäche kann man mit angemessenem Ausdauersport entgegen wirken. OnkoWalking gehört dazu. Die richtige Technik ermöglicht den gezielten Einsatz vieler Muskelgruppen, man spricht von 80-90%. Dadurch werden Einseitigkeiten vermieden. Ausdauer stärkt Herz, Kreislauf, regt den Stoffwechsel an und verbessert die Knochenstruktur. Depressionen werden schon lange mit Ausdauersportarten therapiert. Die Natur, das Gemeinsame in einer Gruppe – all das hilft, die psychischen Belastungen zu mildern. Ich hörte, dass auch Patienten nicht unmittelbar an dem Krebs sterben, sondern an der Schwäche, die schwere Folgeerkrankungen nach sich zieht.

OnkoWalking ist als spezielle Richtung des Nordic Walking wie diese eine Bewegungsaktivität, die keine besonderen Voraussetzungen an Fitness usw. erfordert. Ausdauer kann man immer verbessern, darunter ist auch das Verhindern des noch schnelleren Absinkens der körperlichen Kräfte zu verstehen. Es ist individuell dosierbar.

Betroffene sowie viele neuere Forschungsergebnisse zeigen immer wieder auf, dass das Wohlbefinden sich durch gezielte körperliche Aktivität verbessert und die Nebenwirkungen der Therapie deutlich spürbar verringert werden. Ja, gerade beim Brustkrebs liegen interessante Untersuchungen vor, die verdeutlichen: Auch für die Frauen, die erst nach der Diagnose angemessene und gesunde körperliche Aktivität mindestens 3 Stunden pro Woche ausübten, ist die Rezidivgefahr fast um 40% vermindert.(Quelle: onkowalking.info)

Ungesunder Stress lässt unseren Körper in ständiger Fluchtbereitschaft sein. Hormone, die zum Davonlaufen benötigt werden, stellt er besonders zur Verfügung, andere dagegen werden abgesenkt. Immer mehr geraten wir in Dysbalancen – weil wir eben nicht weglaufen können, sondern im Auto , dem Chef gegenüber, am Telefon oder am Chemotropf stundenlang sitzen. Danach wird die Erschöpfung mit einem spannenden Krimi scheinbar abgebaut. Ein Motor, ständig auf Hochtouren, macht krank. Nordic Walking hält dagegen – das hormonelle Gleichgewicht wird wieder angestrebt, weil nun die „Fluchthormone“ abgebaut und die anderen wieder ausgleichender vom Körper produziert werden können.

Krebs mag keinen Sauerstoff! Also genießen wir die Natur, atmen tief durch und sammeln Mut durch Erfolge, mögen diese auch erst klein sein. Klar, das alles funktioniert nicht irgendwie. Es kommt, wie bei allem, auf das WIE an. D.h. es ist alles eine Frage der Optimierung der Technik sowie der Belastung. Uneffektive Technik, Über- wie Unterforderungen lassen die beschriebenen Effekte deutlich herabsinken. Noch immer klagen Nordic Walking Ausbilder darüber, dass rund 80% derjenigen, die mit zwei Stöcken unterwegs sind, mitnichten Nordic Walking betreiben oder sehr uneffektiv walken. Außerdem ist diese Sportart weitaus vielseitiger, als viele denken, denn es gibt sehr viele Übungen mit dem Stock, die gezielt zur Stabilisierung z.B. des Rückens eingesetzt werden können.

Bewegen ist Leben – OnkoWalking eine Möglichkeit!

Leider sagen die Statistiken, dass 70% der von Krebs Betroffenen körperliche Aktivität verneinen. Das sollte sich aufgrund der aktuellen Forschungsergebnisse schnell im Interesse der Erkrankten und auch der als geheilt bezeichneten Menschen ändern! Ein Grund für diese mangelnde Bereitschaft scheint mir Fatigue zu sein, ein schwer zu beschreibender Erschöpfungszustand. Durch ihn kann man in einen Teufelskreis geraten, denn er führt zu Inaktivität, die dann immer mehr schwächt. Dagegen anzukämpfen ist verdammt schwer, aber in einer OnkoWalking- Gruppe kann man es gemeinsam gut schaffen.
Am besten ist natürlich, gar nicht erst zu erkranken und mit Gesundheitssport vorzubeugen, so gut man eben kann. Wer dann trotzdem erkrankt, hat weitaus bessere Chancen als diejenigen, die als „Bewegungsmuffel“ bis dahin lebten.
Vielleicht helfen meine Erfahrungen mit Nordic Walking!

Ich möchte neugierig machen

Ich möchte neugierig machen, es auszuprobieren. Daher erzähle ich hier eine Begebenheit:
Ich liege im Bett einer kleinen Pension in Bayern und heule, ich heule mir alles von meiner Seele.
Die Tränen laufen nur so herunter, feuchten das Kopfkissen an, nehmen all das mit, was mir in den letzten Jahren weh tat, was mir Angst machte. Ich lasse sie rinnen, schmecke ihren salzigen Fluss und genieße es, endlich weinen zu können. Endlich. Es ist ein wunderbares Heulen, innerlich jubele ich. Ich habe es geschafft! Bin angekommen und feiere dies nun mit mir allein in diesem Bett. Am 15. Juni 2013 bin ich an diesem Nachmittag in Roding. Wie schon geschrieben, im Bett. Allein. Ich hieve mich hoch. Meine Beine sind müde, doch können sie nicht mehr ruhig liegen. Ich habe Hunger, doch ich kann nichts essen von dem, was auf dem kleinen Tisch steht. Ich lasse diese wohltuenden Tränen weiter fließen, ziehe ab und an geräuschvoll durch die Nase hoch, werfe schließlich meine Sportschuhe, die ihren Dienst mit dem heutigen Lauf getan haben, in den Papierkorb und schleiche ins Bad. Ein wenig habe ich wohl geschlafen, denn es ist bereits 17.00 Uhr, wie ich feststelle. Ich schaue in den Spiegel und sehe mein tränennasses total verheultes Gesicht, beginne zu lachen und sage laut: „Ja! Ich habe es geschafft! Krebs! Ich hab dir heute die rote Karte gezeigt! Hei du, hau ab aus meinem Leben!“
Der Spiegel zeigt mir, dass dieser Krebs seine Spuren für immer an meinem Körper hinterlassen hat. Soll er. Es ist eben so. Das also bin ich. Ich. Mit 21 km Nordic Walking in den Beinen – Halbmarathon. Stellt euch vor, ich habe eine Weltmeisterschaft mitgemacht! Auch wenn es nicht so heißen würde, egal – ich bin in 3:30:55,6 Stunden angekommen. Als 85. laut Urkunde – irgendwie – auch egal. Es kamen noch zwei nach mir an, ich war nicht letzte.
Ich bin da! Verrückt, mit 55 Jahren, nach all dem – nein gerade deswegen. Ich habe es versucht, hatte mich gezielt vorbereitet – mich selbst trainiert.

Nun, an meinem Beitrag sehen Sie, der Krebs ist noch immer in meinem Leben, aber anders. Meine heutigen Aktivitäten helfen mir, dem, was ich erleiden musste, wie so viele, viele Frauen auch, einen Sinn zu geben.

Marita Bauer 

Text©Marita Bauer / personal-nordic-walking.de
Titelfoto©flickr.com/iz4aks/CC2.0

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