HWS-Syndrom: Ist medizinisches Cannabis das neue Heilmittel?

Beschwerden im Nacken-, Schulter- und Armbereich kennt fast jeder. Bei chronischen Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule spricht man vom HWS-Syndrom (Halbswirbelsäulensyndrom). Die Behandlungsmethoden sind je nach Ursache unterschiedlich. Neueste Studien deuten daraufhin, dass medizinisches Cannabis eine immer wichtigere Rolle in der Therapie des HWS-Syndroms spielt.

HWS-Syndrom: Ist medizinisches Cannabis das neue Heilmittel?
HWS-Syndrom: Ist medizinisches Cannabis das neue Heilmittel?

Das Halswirbelsäulensyndrom (HWS Syndrom)

Halswirbelsäule ist die Bezeichnung für die Wirbel zwischen Kopf und Brustwirbelsäule beim Menschen, aber auch bei anderen Säugetieren sind damit zumeist die oberen sieben Wirbel, sowie die dazwischen liegenden Bandscheiben gemeint.

Beschwerden sowie anhaltende Schmerzen im Nacken-, Schulter- und Armbereich, die im oberen Teil der Wirbelsäule auftreten oder von dort ausstrahlen, werden als HWS-Syndrom oder auch Zervikalsyndrom definiert. Patienten klagen über zahlreiche Symptome und sind nur beschränkt bewegungsfähig. Die Therapiemöglichkeiten bei einem HWS-Syndrom sind vielfältig. Neben den gängigen Methoden belegen neueste Studien das therapeutische Potenzial von medizinischem Cannabis bei chronischen Schmerzen beim HWS Syndrom.

Mögliche Ursachen für das Halswirbelsäulensyndrom (HWS Syndrom)

Das HWS-Syndrom basiert häufig auf degenerativen Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule wie beispielsweise Arthrose. Meist sind hier die Zwischenwirbelgelenke betroffen, die zwischen den Gelenkfortsätzen benachbarter Wirbel bestehen und die Beweglichkeit der Wirbelsäule garantieren. Aber auch eine Vielzahl anderer Ursachen wie Verletzungen bzw. Unfälle, rheumatische Erkrankungen, Spondylose oder Fibromyalgie können das HWS-Syndrom auslösen.

Insbesondere Fehl- und Überbelastungen der Wirbelsäule, die durch zu langes Sitzen, wenig Bewegung und falsches Heben verursacht werden, fördern das HWS-Syndrom. Wer beispielsweise am PC arbeitet verändert seine Position oft über einen langen Zeitraum nicht, der Kopf wird über viele Stunden nach vorne gestreckt, infolgedessen kommt es zu Verspannungen.

Symptome beim HWS-Syndrom

Ein chronischer, ziehender und brennender Schmerz im Hals- und Schulterbereich, sowie im Nacken und Rücken, der sich bei Kopfbewegungen sogar noch verstärkt und in Richtung Hinterkopf und Schultern ausbreitet, ist typisch für das Halswirbelsäulensyndrom. Darüber hinaus treten auch Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Hör- und Sehstörungen auf. Diese Empfindungsstörungen können auf gereizte Nerven zurückgeführt werden, sie treten insbesondere dann auf, wenn die Ursachen des HWS-Syndroms in psychischem Stress liegen.

In vielen Fällen berichten Patienten von Spannungskopfschmerzen und Nackensteifigkeit, in einigen Fällen von Migräneattacken. Die Verspannungen und Versteifungen, schränken die Bewegungsfreiheit stark ein, da u.a. das Drehen des Kopfes starke Schmerzen verursachen kann, bzw. in vielen Fällen nicht mehr in normalem Maße möglich ist. Die Einschränkung der Bewegungsfähigkeit führt zu weiteren Verspannungen.

Die Symptome versetzen Patienten in einen Zustand des dauerhaften Unwohlseins, die chronischen Schmerzen werden als starke Belastung erlebt, auch der Schlaf leidet oft darunter, wichtige Erholung bleibt somit aus.

Behandlung und Therapie des HWS-Syndroms

Die Behandlungsmöglichkeiten sind je nach Ursache vielseitig. Jedoch kann die Ursache oft nicht abschließend geklärt werden, die Therapie besteht in den meisten Fällen aus einer Kombination mehrerer Behandlungsmethoden. Die Eckpfeiler der Therapie sind hierbei üblicherweise Physiotherapie, Massage, Sport und Schmerzreduktion mit Hilfe von Schmerzmitteln.

Neben üblichen Schmerzmitteln wie Paracetamol und Ibuprofen verschreiben Ärzte bei besonders heftigen Schmerzen auch Morphine wie Tilidin oder Tramadol. Treten besonders starke Verspannungen auf, werden auch Muskelrelaxanzien verschrieben. Problematisch bei diesen Schmerzmitteln ist, dass sie nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden sollten, da die Nebenwirkungen – darunter auch mögliche Organschäden – immens sein können. Zudem bilden sich relativ schnell hohe Toleranzen, die Dosis muss also laufend erhöht werden. Immer häufiger wird deswegen Cannabis in der Therapie eingesetzt.

Einen Joint gegen die Schmerzen?

Cannabis enthält vielzählige Wirkstoffe, die sogenannten Cannabinoide. Insbesondere die beiden bekanntesten unter ihnen, THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol), können beim HWS Syndrom lindernd wirken. Sie wirken jedoch nicht nur schmerzstillend, sondern auch entzündungshemmend. Zudem können sie auch Verkrampfungen lösen.

Eine Einnahme kann als Cannabisextrakt erfolgen oder es können die Blüten konsumiert werden. Diese können ganz “klassisch” im Joint geraucht werden oder schonend in einem speziellen Gerät, einem Vaporizer, verdampft werden. Auch über Speisen und Getränke ist die Aufnahme möglich.

Seit dem 10. März 2017 hat die Bundesregierung in Deutschland den Zugang zu medizinischem Cannabis enorm erleichtert und die Nachfrage steigt seitdem stetig. Zeitweise kam es schon zu Lieferengpässen.

Foto©iStock.com – scott_craig

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